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Geschichte(n) : Als der Rittmeister samt Pferd ins selbe Grab kam

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sonderbare Beerdigung von Olympiasieger von Langen in Schlosspark Neuhof im Jahr 1934

von
erstellt am 23.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Seinen einstigen Glanz sieht man dem Gutshaus zu Neuhof samt Park wahrlich nicht an. Bis 1945 residierten hier die Freiherrn von Langen, genauer gesagt Ludwig Philipp Otto von Langen. Wobei Otto der Rufname war. Im östlichen Rand des Parks befindet sich die Begräbnisstätte von Freiherr Carl Friedrich von Langen, der bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam mit dem Pferd „Draufgänger“ zweimal Dressur-Gold gewann.

Der Landessportbund führt den 1887 in Klein Belitz bei Bützow Geborenen als „ersten Olympiasieger Mecklenburg-Vorpommerns“. Und auch in Neuhof, einem Ortsteil der Gemeinde Bibow, soll dem Freiherrn neue Ehre zuteil werden. Der Wiener Herbert Pils, Geschäftsführer von „Reiter TV“ und damit vor allem im Internet präsent, kaufte das Areal rund um das Gutshaus. Der Geschäftsmann lässt das Anwesen sichern und sanieren, um dann mit seiner Frau hierherzuziehen. An der Eingangstür hängt jedenfalls schon mal ein Zettel mit dem Firmennamen, dessen Geschäfte von hier abgewickelt werden sollen: „Pils Bochdansky Nova Curia Medien GmbH“. Unter anderem wolle er im Gutshaus eine ständige Freiherr-von-Langen-Ausstellung einrichten, so Pils gegenüber unserer Zeitung.

Carl Friedrich von Langen ist nicht nur wegen seines Doppel-Olympiasieges eine Person der Zeitgeschichte. Seinem Anfang der 30er-Jahre übernommenen Vorsitz des Verbandes der Ländlichen Reitervereine der Provinz Pommern – er besaß das Gut Parow bei Stralsund – oblag es mit Machtübernahme der Nazis, diese Vereine zwecks Gleichschaltung in SA-Reiterstürme zu überführen. Der Freiherr erhielt den Dienstgrad eines SA-Obersturmbannführers. Auch heute scheiden sich die Geister, wie nahe von Langen den Nazis stand oder ob er „nur ans Reiten dachte“.

Bei der vorolympischen Qualifikation für die Spiele von Berlin stürzte von Langen am 25. Juli 1934 mit der jungen Stute „Irene“ zweimal schwer bei der Military auf dem Truppenübungsplatz Döberitz bei Berlin. Am 3. August an den Folgen im Potsdamer Krankenhaus verstorben, erfolgte drei Tage darauf gemäß von Langens letztem Willen die Beisetzung in Neuhof im Beisein von 1000 Trauergästen.

Der heute 80-jährige Pfarrer Joachim Fründt hat dem Ganzen in seinem Buch „Kaum zu glauben! Erstaunliches und Vergnügliches aus Mecklenburg“ ein eigenes Kapitel gewidmet – unter dem Titel: „Stallmeister Rönkendörps Ansinnen“. Dies ist auch eine Familiengeschichte. Denn Fründt, 1964 bis 1986 evangelischer Pfarrer von Warin und danach bis 1991 Pfarrer der Reformierten Kirche mit Predigt-Stätten in Bützow und der Rostocker St. Nikolai-Kirche, ist der Schwiegersohn von Hans-Jürgen Köpcke. Und dieser wiederum, 1934 frischer Pastor von Tempzin mit Wohnsitz in Zahrensdorf, war seinerzeit auch für die Kirche Bibow samt Neuhof zuständig.

Also wurde Köpcke aus dem Bett geklingelt mit den Worten: „Es gibt Arbeit für Sie, Herr Paster, ’n doppeltes Begräbnis“, und damit ja keine Missverständnisse auftraten, folgte der Satz: „Dscha, Herr Paster, und unser Pferd soll gleich mit in dasselbe Grab.“

Bei besagtem Pferd handelte es sich nicht um „Draufgänger“, sondern um „Hanko“, mit dem von Langen u.a. 1924 das Deutsche Derby gewann. Ein Pferd mit ins Grab, das hatte Köpcke noch nie gehört. Doch wie aus dieser Nummer rauskommen?

„Am Ende hätte er es machen müssen. Schließlich war die Kirche Bibow und somit Neuhof sein Zuständigkeitsbereich“, so Fründt.

Das Schicksal erfuhr 1934 eine jähe Wendung. Statt Köpcke nahm ein Stralsunder Pastor das Begräbnis vor, was dem Zahrensdorfer Köpcke gar nicht passte. Schließlich war das sein „Revier“. Und so war der spätere Propst auch nicht zugegen, als der Rittmeister und sein Pferd in dasselbe Grab kamen. Der damals 34-jährige „Hanko“ war es jedenfalls nicht. Dessen ist sich Nicole Reimler vom Deutschen Pferdemuseum in Verden/Aller sicher, wie sie gegenüber SVZ auf Nachfrage bestätigte.

„Hanko“, ursprünglich ein Franzose, war von einem deutschen Rittmeister in der Marneschlacht von 1914 erbeutet worden und ging später in von Langens Besitz über. Das Pferd wurde in Parow begraben.

Die seltsame Doppel-Beerdigung von Neuhof war seitdem im Hause Köpcke/Fründt ein immer wieder erzähltes Familienthema. „Ich kann mich dran erinnern“, sagt Fründts Tochter Renate Maercker aus Büschow.


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