Als Buschpilot nach Afrika

Madleen und Peter beim gemeinsamen Spaziergang zum Jahresende 2009 in Namibia mit Leopard Tira. Den hatte der Wismarer Abenteurer einst selbst mit der Flasche großgezogen.
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Madleen und Peter beim gemeinsamen Spaziergang zum Jahresende 2009 in Namibia mit Leopard Tira. Den hatte der Wismarer Abenteurer einst selbst mit der Flasche großgezogen.

svz.de von
19. Juli 2012, 09:36 Uhr

Wismar | Zu Lande und zu Wasser machte der Wismarer Extrem-Weltenbummler Peter Cipra bisher von sich reden. Nun will er als Buschpilot auch noch den Osten Afrikas erobern.

Dafür absolvierte er jetzt Lehrgänge und Flugstunden über Nordwestmecklenburg. Die erfolgreiche Prüfung endete mit dem Ritual Schlips abschneiden. Das trifft den Hansestädter Peter Cipra kaum. Denn er trägt selten einen. Doch diesmal musste es sein, wenigstens für dieses Ritual. Doch es kam noch ein "Fliegerstrauß" hinzu. Der war allerdings gespickt mit Disteln und Brennnesseln und deshalb galt als tückische Hürde: feste Zupacken.

Eine Hürde, die frisch gebackene Hobbypiloten nach aufwendigem Lehrgang zu meistern haben, bevor sie ihre private Fluglizenz in Empfang nehmen dürfen. Doch neben der Freude über den Erfolg sah der 44-Jährige diesem "Auftritt" gelassen entgegen. Wer ihn kennt, weiß, dass der langjährige Weltenbummler zu Lande, zu Wasser und häufig unter extremen Bedingungen schon ganz andere Situationen gemeistert hat. "Also fehlte bisher nur noch die dritte ,Erlebnisdimension Luft?", so die Frage an den neuen Fliegereleven. "Dass mit der Fluglizenz ging mir jahrelang im Kopf herum, doch fehlende Zeit für einen solchen Lehrgang verhinderte das bisher", erklärt er. Doch dann war es so weit. "Ab Oktober vergangenen Jahres ging es los mit Theorie und dazu wurde sofort geflogen", erinnert er sich. Seine Lebensgefährtin Madleen war übrigens beim ersten Flug unter Regie von Fluglehrer Wilfried Mielke dabei und saß zusätzlich in der viersitzigen TB 9. Nur wenn es auch ihr gefällt, so die Bedingung, machen der Lehrgang und damit das weitere gemeinsame Fliegen für ihren Peter Sinn. Zu tun hat dies mit beiderseitigem Interesse für Land und Leute im südlichen Afrika.

Peter Cipra kennt bereits seit 1990 die Länder Namibia, Botswana, Simbabwe oder auch Sambia nicht nur recht gut. Er durchquerte mehrmals afrikanische Wüsten unterhalb des Äquators allein per Fahrrad. Und er war sogar der Erste, der das so genannte Kaokoveld im Nordwesten Namibias mit dem Drahtesel befuhr.

Aus Freundschaften mit Einheimischen entwickelten sich seitdem persönliche Bindungen, insbesondere zu einer Farm, auf der sich der Weltenbummler inzwischen in der Freizeit wie zu Hause fühlt. "Das Virus Afrika lässt sich seitdem nicht mehr bekämpfen, vor allem, weil meine junge Familie nebst dem fast einjährigen Nanook diese Interessen teilt", verrät Peter Cipra.

Damit ist auch das Ziel des Erwerbs der Privatpiloten-Lizenz erklärt: Als Buschpilot noch weitläufiger und umfangreicher als bisher auf dem Landwege aus luftiger Höhe Afrikas Schönheiten erleben zu können. "Es gibt dort jede Menge Pisten, die man befliegen kann, allerdings nur mit einer gültigen Fluglizenz, um selbst eine Maschine wie zum Beispiel eine Cessna zu chartern", so die weitere Erklärung. Neben dem Zertifikat als Industriekletterer und einem kleinen Kapitänspatent ist er nun dank erfolgreicher 90 Stunden Navigation, Luftrecht, Flugtechnik und nicht zu vergessen Meteorologie auch noch "lufttauglich". Mindestens 45 Flugstunden waren notwendig, um das fliegerische Handwerk zu erlernen. Der erste Alleinflug war für ihn "ein unbeschreiblich schönes Gefühl, so frei wie ein Vogel durch die Lüfte zu ziehen", erinnert er sich noch an den Moment, als ihm seine Heimatstadt "zu Füßen" lag. Doch wer den Extrem-Weltenbummlern kennt, weiß auch: Alles, was er bisher zu Lande und zu Wasser unternommen hat, muss ebenso in der Luft perfekt beherrschbar sein. Und hier gilt auch seine Lebensphilosophie: "Die Verantwortung, die man trägt, ist riesig und das Risiko muss immer aufs Neue optimal kalkulierbar sein."

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