Interview mit Ina Müller : Allzweckwaffe mit Herz und Charme

Ina Müller dpa
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Sie singt und liest und schnackt landauf, landab, immer frech und ein wenig vorlaut. Sängerin und Entertainerin Ina Müller spricht über ihre Songs, ihren Texter und ihr Leben zwischen Fernsehen und Bühne.

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23. November 2012, 09:31 Uhr

Schwerin | Sie singt und liest und schnackt landauf, landab, immer frech und ein wenig vorlaut. Ina Müller (47) ist eine Entertainerin, die durch ihre Natürlichkeit besticht. Aus dem Fernsehen ist die charmante Allzweckwaffe des Norddeutschen Rundfunks nicht mehr wegzudenken - sei es in der von ihr moderierten Reportagereihe "Stadt, Land, Ina" oder mit ihrer Late-Night-Show "Inas Nacht" in der ARD. Da erstaunt es fast, dass die Sängerin immer noch Zeit für ausgedehnte Touren findet. Vor ihrem Konzert heute Abend in Schwerin hat Christoph Forsthoff Ina Müller getroffen.

Ihre Auftritte sind fast immer ausverkauft. Wie erklären Sie sich diesen Wahnsinnserfolg?

Müller: Es ist wohl eine Kombination. Die Menschen sehen mich im Fernsehen und sagen sich: Wer ist die eigentlich? Da muss ich mich mal schlau machen. Ach, die macht auch Musik? Dann stoßen sie auf die Musik, hören diese vielleicht im Radio, und irgendwann kommen sie halt in die Konzerte - und sind danach oft noch ein größerer Fan der Bühnenshow als der Fernsehshows. Und ich habe den Eindruck: Hat mich einer auf der Bühne entdeckt, dann bringt er beim nächsten Mal noch einen mit - vielleicht sind deswegen die Hallen alle voll.

Erstaunlicherweise auch mit Männern, obgleich die in Ihren Liedern selten gut wegkommen, wie etwa im Titel "Das ist jetzt ungefähr drei Männer her"…

Es ist eine Zeile, auf die mein Texter Frank Ramond und ich gekommen sind, als wir überlegten, wann ich auf Sylt gewesen bin. Dann kamen wir darauf, das sei ungefähr drei Männer her. Natürlich sind die Männer nun immer ein bisschen beleidigt über diese Zeile und fühlen sich billig, wenn sie das hören; doch dem ist gar nicht so - und ich finde es eigentlich ganz schön, in Männern zu rechnen.

Dennoch stellt man(n) sich beim Blick auf Ihre Texte manchmal die Frage: Sind Frauen wirklich so schlicht, dass sich alles um Liebesleid und -freud dreht?

Es geht doch darum, Themen zu finden - ich kann nun mal nicht über die Milchpreise oder den Umweltschutz singen.

Stört es Sie nicht, dass Ramond als Texter neben Ihnen auch noch diverse andere bedient wie Barbara Schöneberger, Roger Cicero oder Annett Louisan - und all seine Zeilen entsprechend ähnlich klingen und einen ähnlich begrenzten Horizont haben?

Grundsätzlich haben sowohl Frank Ramond als auch ich beide unsere Handschrift - und ich finde, dass ich mich sowohl von Annett als auch von Barbara Schöneberger und Roger Cicero sehr wohl unterscheide, weil keiner von ihnen im gleichen Lied-Genre herumwühlt. Gäbe es mehrere Frank Ramonds in Deutschland, würde ich mal von einem zum nächsten gehen - und könnte ich selber texten, würde ich es auch selbst machen.
Fürchten Sie nicht, dass die Leute seiner Texte überdrüssig werden?

Für den Hörer ist Frank Ramond überhaupt kein Thema. So wie man früher dachte, Mary Roos schreibe ihre Texte selbst oder auch Björk, obwohl sie nie selbst getextet haben. Aber das hat auch nie jemanden interessiert, solange der Texter nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist: Eigentlich war es immer egal, wer für wen schreibt. Und nun ist das auf einmal komischerweise ein Thema geworden.

Eines Ihrer größten Probleme scheint die viel zu knappe Zeit zu sein, tanzen Sie doch beruflich gleich auf mehreren Hochzeiten. Singen, lesen und drehen fürs Fernsehen. Haben Sie keine Angst, sich zu verzetteln?

Ich kriege es ja schon nicht mehr hin. Ich bin an einem Punkt, wo ich sage: Ich schaffe es nicht mehr, selber noch mal eine Stunde für mich zu haben, wo ich einfach mal entspannt lese oder pfeifend unter der Dusche stehe. Ich versuche irgendwie zu laufen, da ich merke, dass ich das brauche - und zwar nicht, weil der Körper dann high ist, sondern um Stress abzubauen. Doch nicht einmal diese Stunde finde ich regelmäßig...

Aber leidet darunter nicht die private Ina?

Die private Ina gibt es schon lange nicht mehr. Doch wenn mich das wirklich belasten würde, würde ich es ändern. Ich raste halt manchmal aus und keife so ein bisschen rum, was bei Frauen aber auch mal schnell hormonell bedingt ist… (lacht).

Gibt es bei Ihnen die Sehnsucht nach einer Rückkehr in das ruhige, alte Leben in der Westerländer Insel-Apotheke, in der Sie als pharmazeutisch-technische Assistentin gearbeitet haben?

Manchmal, wenn ich in Apotheken komme - und ich gehe leidenschaftlich gern in Apotheken - dann denke ich schon: Damals war alles so einfach. Denn um 18 Uhr, wenn ich vorn die Tür abschloss, war wirklich Schluss. Ich bin dann mit den Mädels auf Sylt noch ein Bierchen trinken gegangen und dann war ich zu Hause. Es war wirklich Feierabend und mich hat nichts belastet. Dieses Gefühl ist mit diesem Beruf verschwunden: Wenn ich heute abends heimkomme, denke ich sofort an die nächsten Konzerte, höre noch mal in die alten Aufnahmen rein, arbeite und gehe mit den Gedanken an irgendwelche Lieder ins Bett.

Ina Müller & Band: heute, 20 Uhr,

Sport- und Kongresshalle Schwerin

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