Künstler Joachim Böttcher : „Alles muss offen bleiben“

Der Maler, Zeichner und Bildhauer Joachim Böttcher
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Der Maler, Zeichner und Bildhauer Joachim Böttcher

Neue Werke des Malers, Zeichners und Bildhauers Joachim Böttcher in der Galerie Born auf dem Darß

svz.de von
30. Mai 2017, 12:00 Uhr

Der Strand geht hoch wie eine Wand. Helle, gelbe Töne, eine zerklüftete Oberfläche, Meer oder Landschaft dahinter lösen sich in Schwärze auf. Vorn könnte eine Person aufragen, aber die Silhouette ist fast ganz und gar mit der Oberfläche des Sandes verschmolzen.

Und das ist es, was als Erstes an den aktuellen Werken des Malers, Zeichners und Bildhauers Joachim Böttcher (geboren 1946) auffällt: die Geschlossenheit der Oberfläche, die geradezu abweisenden Flächen, über die der Blick des Betrachters streift, nach Schlupflöchern und Durchbrüchen sucht. Dabei ist bei genauerer Betrachtung die Oberfläche durchaus vielgestaltig. Die Farbe ist gepinselt oder gespachtelt, sie ist durchbrochen von Kratzern und Riefen und Streifen, die Perspektiven andeuten. Alles in allem sind diese Bilder Ereignisse.

Etliche aktuelle Arbeiten sind derzeit in der Galerie Born auf dem Darß zu sehen. Nach Böttchers Ausstellung im Kunstmuseum Ahrenshoop Anfang des Jahres lässt der Künstler nun im kleineren Format ein wenig mehr in die Werkstatt blicken. Zu den großformatigen Gemälden treten kleinere, dunkle Collagen, in denen auf schwarzem Grund zarte Kreidelinien den Raum konturieren.

Welchen langen Weg der Künstler zurückgelegt hat, belegt eine Arbeit aus dem Jahr 1996. „Errosion“ ist im Vergleich zu den neuesten Werken eine geradezu luftige, farbenfrohe abstrakte Komposition. Das stimmt, sagt der Künstler, er habe die Farbe nach und nach immer mehr weggelassen, das Expressive zugunsten der Experimente mit der Form verlassen.

Und das nicht nur in der Malerei, sondern ebenso in der Skulptur: Auch dort finden sich kompakte Oberflächen, die mitunter geradezu zeichnerisch von Linien und Schraffuren überzogen sind wie der Strand im Gemälde. Eine der hoch aufgerichteten Figuren erinnert dabei an eine schreitende Gestalt, einen Torso mit angedeuteten Beinansätzen.

Es ist kein Zufall, dass Galerist Matthias Fuhrmann in einem Nebenraum einige Arbeiten von Werner Stötzer (1931-2010) untergebracht hat: Drei Skulpturen und mehrere Zeichnungen zeigen sinnliche Figuren, Frauenkörper liegend und stehend. Joachim Böttcher war Schüler von Stötzer, und den Werken des Jüngeren ist der Einfluss des Lehrers anzumerken. Wobei Böttcher sich deutlich weiter in Richtung Abstraktion bewegt. Seine Figuren mögen Körper sein, sie sind aber gleichzeitig auch Landschaften oder Formen, die sich im Raum bewegen und den Raum strukturieren. Gleichzeitig sind sie mehrere Genres in einem, Zeichnung, Skulptur, Gemälde nehmen aufeinander Bezug, gehen ineinander auf. Das entspricht am besten Joachim Böttchers Arbeitsprinzip: „Alles muss offen bleiben bis zum Schluss“, sagt er. So erzeugt er Offenheit als kritische Distanz, die in den Werken in die völlige Freiheit der Darstellung mündet.

Bis 4. Juli, Galerie Born, Südstraße 22, Born/Darß, Di - So, 11- 17 Uhr




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