zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 01:50 Uhr

Legal Highs : Alles andere als harmlos

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Legal Highs haben sich in Rauschgiftszene zunehmend etabliert. Zwei Tote nach Gebrauch von Modedroge in MV

Die Namen der mit synthetischen Drogen vermischten Kräutermischungen klingen harmlos und verführerisch: „Jamaican Gold“, „Scoobie Snacks“ oder der bekannteste Vertreter „Spice“. Zusammengefasst werden sie unter „Legal Highs“. „Doch sie sind alles andere als harmlos“, sagt der Rostocker Rechtsmediziner Andreas Büttner.

Erst jüngst hatte der Institutschef zwei Männer obduziert, bei denen der alleinige Konsum dieser Droge für deren Tod verantwortlich war. Derzeit werde ein dritter, ähnlich gelagerter Tod eines 37-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern überprüft, der letzte Beweis stehe aber noch aus. Der Fall werde in einem Freiburger rechtsmedizinischen Speziallabor untersucht. Der Nachweis dieser sogenannten Cannabinoide als alleinige Todesursache sei in Deutschland nahezu unbekannt.

Büttner stellte die Fälle auf der Tagung der norddeutschen Rechtsmediziner heute in Rostock vor. Ein 29-jähriger Strafgefangener der JVA Bützow war im Januar nach dem Konsum einer Kräutermischung leblos aufgefunden worden. Bei der Obduktion wurde das synthetische Cannabinoid 5F-ADB nachgewiesen.

Kurze Zeit später obduzierte Büttner einen 35-Jährigen, der eine dieser Mischungen im Internet bestellt hatte. Dort war den Ermittlungen zufolge noch eine Gratisprobe beigelegt. Am Tag nach deren Konsum war er tot - Todesursache 5F-ADB, das noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Beide Männer starben an Herz-Kreislauf-Versagen. Der 35-Jährige hatte wie der 37-Jährige die Droge mit einer Wasserpfeife zu sich genommen.

„Die Mischungen werden massiv unterschätzt“, warnt Büttner. Niemand wisse beim Experimentieren, welch gefährliche Stoffe die Mischungen enthalten können. Sie seien oft deutlich potenter als der Cannabis-Wirkstoff THC und problemlos im Internet zu bekommen. Der Nachweis dieser Wirkstoffe bei Obduktionen erfordere hochsensitive und teure Messverfahren, die bisher nur in wenigen Zentren in Deutschland etabliert sind.

Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Behörden und Herstellern. Es ist immer nur das verboten, was in der Liste der Betäubungsmittel auftaucht. Was dort nicht aufgenommen ist, ist also auch nicht verboten.

2015 wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts in Deutschland 39 neue Verbindungen entdeckt, insgesamt 15 Stoffe in die Liste der „neuen psychoaktiven Stoffe“ aufgenommen. Durch gezielte Manipulationen der chemischen Struktur kommen kontinuierlich neue Substanzen auf den Markt. 2015 waren laut BKA 39 Menschen nach der Einnahme der neuen psychoaktiven Stoffe oder in Verbindung mit anderen Substanzen gestorben, 2014 waren es 25.

Die Einschätzungen Büttners werden vom BKA bestätigt. „Die Legal Highs haben sich in der Rauschgiftszene zunehmend etabliert und sind ein besorgniserregendes Phänomen“, sagt eine Sprecherin. Beim BKA seien inzwischen rund 1500 verschiedene Legal Highs mit rund 160 unterschiedlichen Wirkstoffen registriert. Im Rahmen von Ermittlungsverfahren gegen Händler komme es bei Durchsuchungen regelmäßig zu Sicherstellungen großer Mengen entsprechender Produkte.„Die Produkte werden durch bunte und flippige Verpackungen und angebliche Legalität geschickt vermarktet“, sagt die BKA-Sprecherin.

Die Inhaltsstoffe seien entweder gar nicht, unvollständig oder falsch deklariert. Seit 2010 seien mehrere Hundert Fälle registriert worden, bei denen der Konsum von Legal Highs zu teils lebensgefährlichen Folgen wie Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen bis hin zum Ausfall vitaler Funktionen führte.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen