Nord Stream 2 : Allen Vorbehalten zum Trotz

Mit einem Spezialkran werden Rohre für die Erdgastrasse Nord Stream 2 im Hafen von Sassnitz-Mukran transportiert.
Mit einem Spezialkran werden Rohre für die Erdgastrasse Nord Stream 2 im Hafen von Sassnitz-Mukran transportiert.

Nord Stream 2 glaubt trotz Hürden weiter an pünktlichen Pipeline-Bau. Deutschland steht weiter in der Kritik

von
03. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 gibt sich trotz neuer rechtlicher Hürden zuversichtlich, den Bau ihrer geplanten Ostseepipeline von Russland nach Deutschland pünktlich zu beginnen und fertigzustellen. „Aus unserer Sicht sind wir im Plan, den Bau Ende 2019 zu vollenden und die Pipeline in Betrieb zu nehmen“, sagte Finanzvorstand Paul Corcoran in Brüssel. Man erwarte erste Genehmigungen noch in diesem Monat. Insgesamt müssen Behörden in fünf Ländern zustimmen, auch in Deutschland.

Zuletzt hatte die EU-Kommission eine Initiative für neue Auflagen zum Betrieb der Gasleitung gestartet. Die Pipeline wird von mehreren osteuropäischen Ländern vehement abgelehnt. Zudem hatte Dänemark diese Woche die gesetzliche Grundlage dafür gelegt, das Projekt in den eigenen Hoheitsgewässern zu stoppen.

Corcoran sagte, das dänische Gesetz werde wohl im Januar in Kraft treten. Sollte das Land ein Veto einlegen, „würden wir die Verlegung der Pipeline prüfen“. Über Verzögerungen des Projekts in dem Fall wolle er nicht spekulieren.

Den Vorstoß der EU-Kommission nannte der Manager enttäuschend. Die geplante Änderung der Gasrichtlinie schaffe Verwirrung. „Als wir das Projekt begannen, kannten wir die Rechtsgrundlage, aber die EU schlägt jetzt vor, dies zu verändern, und wir wissen nicht, was der Vorschlag im Detail bedeutet.“ Er sagte aber auch: „Im Moment sehen wir nicht, dass der EU-Vorschlag das Projekt blockiert.“ Im übrigen würden Vorschläge der EU-Kommission oft von den EU-Ländern abgelehnt.

Der ehemalige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen griff Deutschland wegen seines Festhaltens am Projekt scharf an. „Wenn Deutschland zeigt, dass es gewillt ist, die Sicherheit seiner Nachbarn den eigenen Handelsinteressen zu opfern, sollte es sich nicht wundern, wenn sich diese Länder für die gleiche Vorgehensweise entscheiden - selbst wenn dies Deutschland schadet“, sagte Rasmussen der „Bild“-Zeitung (Sonnabend). Es werde nicht nur Gas durch die Pipeline fließen, sondern auch der russische Einfluss. Europa versuche, sich von seiner Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen, die Russland in den letzten Jahren als politische Waffe genutzt habe. „Mit einer einzigen politischen Maßnahme nimmt Deutschland die ganze gute Arbeit der EU zurück.“

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte vor wenigen Tagen bei einem Kurzbesuch in Russland den Widerstand der EU-Kommission gegen die Ostseepipeline Nord Stream 2 kritisiert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen