Wohnungsmarkt Schwerin : Alle wollen in die Innenstadt

Hochwertige und großzügige  Mietwohnungen  werden laut Experten in der Schweriner City mittlerweile wie Goldstaub gehandelt.
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Hochwertige und großzügige Mietwohnungen werden laut Experten in der Schweriner City mittlerweile wie Goldstaub gehandelt.

Wer in der Innenstadt eine Wohnung mieten möchte, der muss oft ein Jahr oder länger warten. Schwerins Altstadt ist begehrt, die Preise steigen. Das ergab eine aktuelle Umfrage unserer Zeitung bei Maklern und Vermietern.

svz.de von
18. Juli 2012, 12:02 Uhr

Schwerin | Wer sich in der Schweriner Innenstadt eine schicke Drei- oder Vier-Raum-Wohnung mieten möchten, der muss auf sein Traumdomizil manchmal ein Jahr oder noch länger warten. Und die Preise ziehen an. Das ergab eine aktuelle Umfrage unserer Zeitung bei Maklern und Vermietern. Von einem Wohnungsengpass könne in der Landeshauptstadt aber nicht die Rede sein.

"Zwei-Raum-Wohnungen in der City haben wir zurzeit noch gut im Angebot", sagt beispielsweise Roland Steiner, Schweriner Makler mit langjähriger Erfahrung auf dem Markt. Auch in der Schelf-, der Werdervorstadt und der Feldstadt, die zu den gefragtesten Gegenden der Landeshauptstadt gehören, sei noch etwas zu haben. Durch die hohe Fluktuation komme es aber oftmals zu Qualitätsproblemen. "Eine freie, qualitativ hochwertige Wohnung in Schwerin zu finden, ist heute daher nicht ganz so leicht. Bei den 3- und 4-Raum-Wohnungen kann der Bedarf schon längst nicht mehr gedeckt werden. Allen Investoren, die heute alte Häuser in der City sanieren oder neue bauen, raten wir, unbedingt größere Wohnungen zu konzipieren." Und sie sollten Fehler aus den 90er-Jahren vermeiden, die sich heute rächen: "Wohnungen ohne Balkon möchte fast niemand mehr haben und auch Dusche und Wanne in einem Bad gehören zu den Standard-Anforderungen der Mieter", so der Schweriner.

Wer nicht direkt in der Innenstadt eine Wohnung bekommt, der weicht nach Steiners Erfahrung auch gerne aus auf den "Innenstadtrand", nach Neumühle oder an den Ziegelsee. "Wohnungen auf dem alten Molkereigelände sowie Reihen- oder Doppelhäuser dort kriegen wie sofort vermietet."

Die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) könnte ihre Stadt-Wohnungen sogar schon vermieten, bevor sie überhaupt fertig sind. "Allein die Nachricht, dass wir in der Suhrbier- und in der Stiftstraße Häuser sanieren, hat bei uns zu konkreten Nachfragen geführt", berichtet Guido Müller, Geschäftsführer der WGS. Für die Innenstadt gäbe es bei seinem Unternehmen definitiv mehr Anfragen als Wohnungen.

Einen Engpass wie in Berlin oder Hamburg gibt es auf dem Schweriner Miet-Wohnungsmarkt allerdings nicht, sagt Carsten Rönndahl von Immo-Konzepte. Der Makler ist bereits seit 20 Jahren in Schwerin aktiv und kann daher die Entwicklung bestens einschätzen. "Es gibt eine große Nachfrage nach Wohnungen in guter Innenstadtlage", sagt Rönndahl. "Aber das war eigentlich schon immer so." Dennoch habe Schwerin in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen, sagt Rönndahl. Vor allem Neu-Schweriner würden Mietwohnungen in 1A-Lagen suchen und seien dafür auch bereit, mehr zu bezahlen. "Wohnungen in der ersten Reihe am Ziegelsee, im Schloss-Quartier oder auch am Pfaffenteich werden heute anstandslos für zehn Euro pro Quadratmeter kalt vermietet", berichtet der Makler. Noch vor ein oder zwei Jahren wären solche Mietpreise undenkbar gewesen.

Das liegt allerdings auch am zunehmenden Neubau in der Landeshauptstadt. Noch 2006 sei nach Angaben von Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff keine einzige neu gebaute Wohnung für den Mietmarkt angeboten worden. Beurkundungen für verkaufte Neubau-Wohnungen habe es damals etwas mehr als ein Dutzend im gesamten Jahr gegeben. "Heute werden leicht 200 neue Wohnungen im Jahr verkauft", sagt Carsten Rönndahl. Auch die Preise dafür hätten deutlich angezogen. Zwischen 200 000 und 300 000 Euro seien für Schwerin normal. Exklusive Wohnlagen werden deutlich in Richtung einer halben Million Euro angeboten. "Da ziehen die Käufer dann aber auch selbst ein", weiß Rönndahl aus Erfahrung zu berichten. Für den Mietwohnungsmarkt seien diese Immobilien verloren.

"Aber es wächst ja eine Menge nach", sagt Rönndahl und verweist auf zahlreiche aktuelle Projekte. Das Schloss-Quartier werde weiter gebaut, im ehemaligen Strandhotel würden Wohnungen entstehen, ebenso in der alten Polizeiwache in der Schlossstraße, in der Werderklinik und auf dem Gelände der alten Brauerei. "Das sind riesige Projekt, die auf den Markt kommen", sagt Rönndahl und zeigt sich erfreut über diese Entwicklung. "Das ist gut für Schwerin." Und natürlich auch für die Makler.


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