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Jede sechste Kündigung in MV geht auf Sucht zurück : Alkohol wird immer öfter zum Jobkiller

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Unrühmlicher Spitzenplatz für Mecklenburg-Vorpommern: In keinem anderen Bundesland greifen so viele Berufstätige zur Flasche. Zu diesem Ergebnis kommt die Barmer/GEK in ihrem aktuellen Gesundheitsreport.

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erstellt am 19.Okt.2012 | 10:15 Uhr

Schwerin | Unrühmlicher Spitzenplatz für Mecklenburg-Vorpommern: In keinem anderen Bundesland greifen so viele Berufstätige zur Flasche. Zu diesem Ergebnis kommt die Barmer/GEK in ihrem aktuellen Gesundheitsreport. "1,59 Prozent aller Erwerbstätigen in MV haben ein Alkoholproblem", konstatierte der Landeschef der Krankenkasse, Henning Kutzbach, gestern in Schwerin. "Das sind 35,2 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt." Mit 40 Fällen auf 100 000 Versicherte gab es 2011 in MV im Bundesvergleich die meisten Krankschreibungen, die auf Alkoholkonsum zurückgingen. Männer seien doppelt so häufig betroffen wie Frauen, vor allem bei den 50- bis 59-Jährigen potenzierten sich die Probleme. Experten schätzen sogar, dass jeder fünfte bis zehnte Beschäftigte einen riskanten Alkoholkonsum aufweise.

Und der bleibt nicht ohne Folgen, wie Kutzbach aufzählt: Arbeitnehmer mit einem Suchtproblem sind dreieinhalbmal häufiger in Arbeitsunfälle verwickelt. Jede sechste Kündigung geht auf Alkohol zurück. Während rund die Hälfte der Erwerbstätigen ohne auffälligen Alkoholkonsum ein ganzes Jahr lang überhaupt nicht krank ist, schafft das nur ein Viertel der Beschäftigten mit Alkoholproblemen. Trinker sind im Jahr durchschnittlich 40,3 Tage länger krankgeschrieben als Nicht-Trinker.

Als Gründe für den Griff zur Flasche nennt die Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen, Claudia Diekneite, Stress und Leistungsdruck, aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Alkoholprobleme machten vor keiner Gesellschaftsschicht Halt. Immer mehr Betroffene suchten aber offenbar Hilfe: "Im vergangenen Jahr wurden in den Suchtberatungsstellen 26 Prozent mehr Menschen beraten als 2002. " Schätzungen gehen von 81 000 Alkoholikern in MV aus. Der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols liegt hier mit mehr als 13 Litern deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,6 Litern. Wichtig sei, Alkoholismus "aus der Schmuddelecke herauszuholen" und als Krankheit anzuerkennen, fordert Diek neite. Hier seien in erster Linie Arbeitgeber gefordert, die Alkoholismus lange als Problem ignoriert hätten, betont Kutzbach. Je eher Auffälligkeiten erkannt und angesprochen würden, desto besser könnte gegengesteuert werden. Ein sicherer Arbeitsplatz sei dann der beste Garant für dauerhafte Abstinenz.

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