Neustadt-Glewe : Algen kommen nach Mecklenburg

So soll es 2019 auch in Neustadt-Glewe aussehen: Hier ein Bioreaktor der Mikroalgenproduktion Roquette in Klötze (Sachsen-Anhalt)
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So soll es 2019 auch in Neustadt-Glewe aussehen: Hier ein Bioreaktor der Mikroalgenproduktion Roquette in Klötze (Sachsen-Anhalt)

Investor aus Sachsen-Anhalt baut Farm in Neustadt-Glewe auf – und erhält den Standort nach der Pleite einer Berliner Firma.

svz.de von
17. November 2017, 20:45 Uhr

Algen machen sich in Neustadt-Glewe breit: In der mecklenburgischen Kleinstadt startet ein neuer Versuch, Algen für Lebensmittel, Nahrungsergänzungs- und Futtermittel sowie Kosmetik zu vermehren. Deutschlands größter Mikroalgenproduzent Roquette aus dem sachsen-anhaltinischen Klötze will gemeinsam mit dem Partner Dr. Eberhard Bioenergie aus Ducherow im Landkreis Vorpommern-Greifswald spätestens 2019 mit der Produktion der Mikroalge Spirulina beginnen, erklärte Roquette-Chef Jörg Ullmann gestern. In den Hallen eines vor Jahren in die Pleite gerutschten Algenproduzenten werde derzeit eine Versuchsanlage errichtet, in der erste Daten für eine neue Technologie gesammelt würden. 2018 solle eine Pilotanlage den Betrieb aufnehmen, bevor 2019 die Produktion beginnen solle. Es sei geplant, in drei bis fünf Jahren bis zu 20 Tonnen in Neustadt-Glewe zu produzieren, sagte Ullmann. Die Mikroalgen kämen in Antiherpes-Cremes oder als Farbstoff in Gummibärchen zum Einsatz.

Mit dem Einstieg von Roquette könnte die vor Jahren geplante Algenproduktion in Neustadt-Glewe doch noch Wirklichkeit werden: 2014 hatten Berliner Investoren dort den Startschuss für den Aufbau einer Algenfarm gegeben. Sie wollten bis zu acht Millionen Euro investieren, neue Jobs schaffen und jährlich 50 Tonnen Bioalgenmasse bereitstellen. Von den Plänen ist nicht viel geblieben: Die Produktion hatte nie begonnen. Stattdessen waren Anleger um ihr Geld gebracht worden. Die neuen Investoren aus der Altmark können hingegen auf ein solides Marktengagement zurückgreifen. Seit Jahren gehören sie zu Branchenführern mit der nach eigenen Angaben größten deutschen und in Europa ersten Mikroanlagenkulturanlage – mit Abnehmern in der ganzen Welt. So exportiere Roquette nach Europa, Asien und Nordamerika. Auch ein deutscher Smoothie-Hersteller verarbeitet die in Klötze gezüchtete Mikroalge Chlorella in seinen Getränken. Zu der 1,2 Hektar großen Anlage in der Altmark gehört das nach Unternehmensangaben größte Glasröhrensystem der Welt mit einer Länge von 500 Kilometern. Dennoch stoße die Produktion in Klötze an Grenzen, begründete Ullmann die Expansionspläne. „Der Bedarf wächst“, beobachtete der Geschäftsführer: Roquette bringe den Markt mit nach Neustadt-Glewe. „Die Nachfrage ist da.“

In Deutschland gibt es nur wenige Betriebe, die Algen nach industriellem Maßstab herstellen. Das System in Klötze war ein „Quantensprung“ in der Algenkultivierung gewesen, sagt Ullmann. „Wir verstehen uns als Rohstoffproduzent.“ Das heißt: Das Saatgut wird eingepflanzt, mit Süßwasser und Nährstoffen angereichert und bis zur Ernte mit den benötigten Temperaturen optimal im Gewächshaus versorgt. Ein Dutzend verschiedene Algensorten werden in der Altmark gezüchtet. Aufgrund der unkomplizierten Anbaubedingungen wird die Mikroalge als grüner Rohstoff der Zukunft gehandelt. In Asien gehört die grüne Vitalbombe schon lange auf den Teller der Einheimischen. Neben Ballaststoffen und Proteinen enthält sie vor allem die wichtigen Vitamine A, B, K sowie Eisen und Jod. Die enthaltene Alginsäure soll den Körper entgiften. Immer wieder erheben sich aber auch kritische Stimmen, die eine positive Wirkung von Algen auf die Gesundheit anzweifeln.

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