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Mecklenburg-Vorpommern

25. September 2017 | 17:22 Uhr

reise ins weltall : Alexanders Himmelfahrt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als dritter Deutscher arbeitet Geophysiker Gerst ein halbes Jahr auf der ISS

Mit einem lodernden Feuerschweif verschwindet die Rakete mit Alexander Gerst im wolkenlosen Himmel über dem Weltraumbahnhof Baikonur. Monate anstrengender Vorbereitung sind vorbei – nun geht es endlich los für Deutschlands elften Raumfahrer.

Klar, vor dem langersehnten Start sind noch die obligatorischen Rituale zu erfüllen: Eine Unterschrift auf der Tür im Hotel „Kosmonaut“ hinterlassen. Und gegen die Reifen eines Busses pinkeln – weil Juri Gagarin, 1961 der erste Mensch im All, das damals so getan hat. Dann sitzt er in der engen Kapsel, die Triebwerke zünden, die letzten Sekunden laufen. „Take off!“ – Start. Ein knappes halbes Jahr wird Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS verbringen.

Rückblick: Sein letzter öffentlicher Auftritt vor dem großen Flug ins All ist fast vorbei – doch der 38-Jährige aus Künzelsau (Baden-Württemberg) will noch eine Sache klarstellen. Die schwere internationale Krise wegen des Ukraine-Konflikts gehe nicht völlig am dreiköpfigen Team aus Deutschland, Russland und den USA vorbei, betont Gerst bei der Pressekonferenz in der kasachischen Stadt Baikonur. „Aber unsere Familien haben die Wochenenden gemeinsam auf der Datscha verbracht, und wir sind Freunde geworden“, sagt der 38-Jährige. „Wir fliegen als Mannschaft in den Weltraum, nicht als Vertreter einzelner Staaten.“

Gerührt verfolgen Großmutter und Vater Hans-Dieter Gerst in der ersten Reihe den humanistischen Appell des Astronauten. Da sie seit Tagen aus Gesundheitsgründen von der Öffentlichkeit abgeschirmt ist, sitzt die Crew hinter einer großen Glasscheibe. Doch vor dem Start am späten Mittwochabend dürfen Vater und Sohn noch einmal miteinander sprechen. „Mach’s gut, Junge, und komm heil und gesund zurück“, habe er gesagt, erzählt Hans-Dieter Gerst in Baikonur der Nachrichtenagentur dpa. Eine Umarmung war nicht erlaubt.„Besucher der Astronauten müssen einen Meter Abstand halten, um jede Ansteckung zu vermeiden“, betont Raimund Lentzen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Allein schon der Startort Baikonur hält massive Belastungen für den menschlichen Organismus bereit. Brütende Hitze von mehr als 30 Grad liegt an diesem Maitag über der staubtrockenen Steppe. Schatten spenden auf dem Weltraumbahnhof nur die Abschussrampen, die wie Bohrtürme in den Himmel ragen. Kamele liegen dösend zwischen braunen Grasbüscheln. Putz bröckelt von den Mietskasernen, der Straßenasphalt zeigt breite Risse. Gut 50 Jahre nach dem Bau leidet das Areal unter erheblichen Alterserscheinungen. Die 115 Millionen US-Dollar (84,4 Millionen Euro) Pacht, die Russland jährlich für seine Starts an die kasachische Führung zahlt, reichen längst nicht für den Unterhalt des größten Kosmodroms der Welt. Frühere Pläne, das riesige Areal nach dem Vorbild der US-Weltraumbahnhöfe für Touristen zu erschließen, scheiterten auch an Sicherheitsfragen.

An der Startrampe verfolgt Hans-Dieter Gerst gespannt das Auftanken der Sojus. Sein ältester Sohn habe schon immer eine Leidenschaft für ungewöhnliche Fahrzeuge gehabt, sagt der 59-Jährige. „Als Kind ist er in Seifenkisten herumgerast“, erzählt der Schlossermeister aus Baden-Württemberg und lächelt wie bei einer schönen Erinnerung.

Für Ulf Merbold, der als einziger Deutscher dreimal im All war, ist Geophysiker Alexander Gerst die richtige Wahl für den Flug. „Er ist in hohem Maße ein Mannschaftsspieler, das ist wichtig, denn die bemannte Raumfahrt funktioniert nur im Team“, meint der 72-Jährige.

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