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Schutzprojekt des Umweltministeriums erfolgreich gestartet : Aktien zur Rettung der Moore

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Die zweite natürliche Aktie des Landes ist erfolgreich gestartet. Nach der Waldaktie hat das Umweltministerium im vergangenen Jahr die Moorzertifikate eingeführt, die ähnlich und trotzdem anders funktionieren.

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2013 | 12:00 Uhr

Schwerin | Die zweite natürliche Aktie des Landes ist erfolgreich gestartet. Nach der Waldaktie hat das Umweltministerium im vergangenen Jahr die Moorzertifikate eingeführt, die ähnlich und trotzdem anders funktionieren. Durch 8180 solcher verkaufter Mooraktien ist der Polder Kieve (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wieder vernässt worden. Er war Jahrzehnte ausgetrocknet und konnte deshalb seine Aufgabe in der Natur des Nordostens nicht annähernd erfüllen: Kohlendioxid zu speichern. "Ich bin zufrieden mit unserem ersten Jahr", sagt Projektleiter Dr. Thorsten Permien. Seit 2012 kann man bei ihm Zertifikate für das Pilotprojekt MoorFutures zum Preis von 35 Euro kaufen. Bislang seien dadurch komplett die Kosten der ersten Wiedervernässung bezahlt, die bereits im Juli des vergangenen Jahres begonnen wurde. "Im Gegensatz zur Waldaktie und der Wiederaufforstung kann man ein Moor nicht stückchenweise vernässen", merkt Thorsten Permien an.

Das Ministerium habe das Pilotprojekt absichtlich ohne eigene Mittel gestartet und Hürden aufgestellt. "Über die erste, also die einmaligen Kosten, sind wir bereits hinweg. Was uns jetzt noch fehlt, sind die Bewirtschaftungs- und Verwaltungskosten für eine Laufzeit von 50 Jahren", erklärt der Chemiker Permien, der erneut den Vergleich mit der Waldaktie bemüht. Ausgangspunkt für MoorFutures sei zwar die Waldaktie gewesen, doch das Prinzip sei etwas anders. "Bei der Waldaktie können wir garantieren, dass für 10 Euro zehn Quadratmeter Wald aufgeforstet werden. Aber Sie werden niemals erfahren, wo Ihr Waldstück genau ist", erklärt er. Zudem gelte die Ausgabe für die Waldaktie steuerlich als Spende, könne also abgesetzt werden. Für die Moorzertifikate bekommt der Käufer jedoch einen realen Gegenwert, wird in ein Register eingetragen und kann ab einer bestimmten Kaufmenge auch mit der Firma ein MoorEvent in Anspruch nehmen, bei der das Moor touristisch besucht werde. Das Moorzertifikat ist also keine Spende. Was beide Umweltschutzprojekte aber verbindet, ist das Binden von Kohlendioxid.

In den 60er-Jahren wurden in Mecklenburg-Vorpommern großflächig und erfolgreich uralte Moorgebiete trockengelegt, um sie in der DDR land- wie forstwirtschaftlich zu nutzen: Eine Umweltsünde, wie Thorsten Permien anmerkt. Er zitiert Friedrich den Großen (1712-1786), der nach der Trockenlegung des Oderbruchs 1752 gesagt haben soll: "Das ist ein Landgewinn auf friedlichem Wege." "Absolut kriegerisch war dieser jedoch in Richtung Natur", fügt Permien hinzu. Auch wenn Firmen heute "Umweltverbrauch" als Kostenfaktor in ihre Buchhaltung einbezögen, würden die Bilanzen weit weniger erfolgreich aussehen. Der Raubbau lasse sich jetzt mit den Zertifikaten umkehren, die nach Angaben des Landesumweltministeriums großes Interesse erregen.

"Die gesamte Gesellschaft profitiert von intakten Mooren", erklärt Landes-Umweltminister Till Backhaus (SPD) und rechnet vor, dass trockengelegte Moore zwischen fünf und 35 Tonnen Kohlendioxidäquivalente pro Hektar und Jahr in die Luft abgeben. "Für den Polder Kieve rechnen wir mit 15 Tonnen pro Hektar und Jahr, die durch die Wiedervernässung vermieden werden", erklärt Backhaus. Ein moderner Ablasshandel für die Firmen? "Das hat mit Ablasshandel nichts zu tun. Moderner Klimaschutz folgt dem Ansatz, dass, wo immer es sinnvoll und möglich ist, Treibhausgasemissionen vermieden werden sollen. Wo das nicht möglich ist, sollen die Emissionen wenigstens vermindert werden. Aber es wird zumindest mittelfristig immer Aktivitäten geben, die mit der Freisetzung von Treibhausgasen verbunden sind. Für diesen Bereich bieten wir attraktive Kompensationsmöglichkeiten", so Backhaus.

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