Fallschirmflieger aus Neustadt-Glewe : Akrobatik im freien Fall

Beim Freefly-Training
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Beim Freefly-Training

Drei Fallschirmsportler aus Neustadt-Glewe werden zum ersten Mal MV bei einer Weltmeisterschaft vertreten. Ende November treten Michael Jung, Mario Bosecke und Robert Krauss in der Disziplin Freefly in Dubai an.

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09. Juli 2012, 10:01 Uhr

Neustadt-Glewe | Über den Flugplatz in Neustadt-Glewe fegt ein kräftiger Wind. Zu kräftig, um das Fallschirmflieger-Trio mit der Cessna 208 über die Wolken zu bringen. Michael Jung, Mario Bosecke und Robert Krauss stehen noch mit Helm unterm Arm und penibelst gepacktem, rund zehn Kilogramm schwerem Fallschirm auf dem Rücken am Rande des Sprungplatzes. Die Wartezeit überbrücken sie mit einer letzten Absprache der Figuren, die das Team 3-Fly in 4000 Metern Höhe absolvieren will. Das gehört zum Trainingsprogramm für die Weltmeisterschaft Ende November in Dubai - ihrer ersten.

Die drei Männer haben sich dem Freefly mit Haut und Haar verschrieben. Im freien Fall, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 350 Stundenkilometern, vollführen sie akrobatisch anmutende Figuren. "Freefly ermöglicht dreidimensionale Aktionen. Jeweils sieben verschiedene Fluglagen werden in weniger als einer Minute von zwei Fallschirmfliegern ausgeführt", erklärt Michael Jung. Der 36-jährige gebürtige Wismarer ist wie der 37-jährige Mario Bosecke der Performer. "Wichtig dabei ist das exakte Zusammenspiel. Ob Bauch- oder Rückenlage, kopfüber, stehend oder in einer sitzähnlichen Position - alle Elemente müssen perfekt dargestellt werden", sagt Bosecke.

Dritter im Bunde ist Fallschirmflieger Robert Krauss. Der 36-Jährige hält Pflicht und Kür über den Wolken in einem Videofilm fest. "Das ist die Grundlage für die Bewertung bei Wettkämpfen", sagt der Kameramann des 3-Fly-Teams. Die dunklen Wolken haben sich verzogen, "los gehts", sagt Anke Preuß, die im Verein über die Einhaltung strenger Sicherheitsregeln achtet. Für die Männer des 3-Fly-Teams ist das längst Routine: Mario Bosecke hat bereits mehr als 5000 Sprünge absolviert. Sein Partner Michael Jung bringt es auf 2200, Robert Krauss hat 1150 "Ausstiege" in seinem Sprungbuch registriert. In 4000 Metern Höhe verlangsamt die Cessna ihre Geschwindigkeit. Die Tür wird geöffnet. Eisige Luft schlägt den Fallschirmfliegern entgegen. "Minus zwölf Grad", informiert Pilot Michael Emeis.

Kameramann Robert Krauss steigt vorsichtig auf ein Trittbrett außerhalb der Maschine. Die beiden Performer sind Sekunden später absprungbereit. Sie nicken sich zu. Einatmen. Ausatmen. Los! Headdown, Double Grip vice versa, Totem, Brouette - so heißen die Figuren, die Mario Bosecke und Michael Jung in der Luft "turnen", als gäbe es keine Erdanziehungskraft. Nach 50 Sekunden öffnen sich die Fallschirme.

"Das ist Profi-Material, vergleichbar mit Rennwagen bei der Formel 1", kommentiert Teamchef Axel Gotsche, als seine Jungs sanft aufsetzen. Nach dem Packen der Fallschirme zieht sich das Team zurück in einen Container - zur Auswertung des Sprunges. Bei der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden die Fallschirmflieger aus Neustadt-Glewe auf Mannschaften aus 45 Ländern treffen, darunter professionelle Teams aus den USA oder Russland. "Eine Platzierung im ersten Drittel wäre ein riesiger Erfolg für uns", sagt Jung.

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