Situation im Gazastreifen eskaliert : Aidadiva gerät unter Beschuss

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Kreuzfahrtschiff der Rostocker Reederei vor israelischer Küste von Trümmerteilen abgefeuerter Raketen getroffen

svz.de von
08. Juli 2014, 21:00 Uhr

Erst knallte es fürchterlich laut und es blitzte am nächtlichen Himmel auf, dann fielen Metallteile auf das Kreuzfahrtschiff Aidadiva, das gerade den Hafen im israelischen Aschdod verließ. Es waren wohl Trümmer von abgeschossenen Raketen im eskalierenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. „Die Teile waren meist kaum größer als Centstücke und passten zusammengefegt auf eine Müllschippe“, erklärt Hansjörg Kunze, Sprecher des Rostocker Kreuzfahrt-Unternehmens Aida Cruises. Das Schiff selbst sei nicht Ziel eines Angriffs gewesen, und niemand der 2700 Passagiere und Besatzungsmitglieder sei verletzt worden. Der Kreuzliner konnte seine Fahrt durch das östliche Mittelmeer ungehindert fortsetzen und erreicht heute die griechische Insel Kreta.

Der Vorfall am Montagabend ereignete sich gegen 20.30 Uhr Ortszeit. Die Aidadiva war gerade beim planmäßigen Auslaufen aus dem Hafen Aschdod, etwa 30 Kilometer nördlich des Gaza-Streifens. Plötzlich waren Sirenen im Hafen zu hören. Nur kurze Zeit später beobachteten Passagiere und Crew Raketen und Explosionen am Himmel. Ein Schock für alle. „Es ist natürlich etwas Beunruhigendes, dass man Zeuge kriegerischer Handlungen geworden ist“, erzählt Passagierin Rieke Petter aus Freiburg. Eine Gefahr für ihr Leben sah sie aber nicht: „Es ist ja nicht so, dass die Leute aus dem Gazastreifen auf uns gefeuert haben. Wir waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Zunächst sei nicht klar gewesen, was eigentlich passiert sei. Erst eine Durchsage des Kapitäns habe für Aufklärung gesorgt. Seinen Angaben zufolge seien Raketen aus dem Gaza-Streifen in Richtung Hafen abgefeuert, aber abgewehrt wurden, gibt Petter ihre Erinnerungen wieder. Die anfängliche Aufregung an Bord sei mittlerweile verflogen und einer gelösten Stimmung gewichen.

Aida Cruises bedauert den Zwischenfall, gleichzeitig sichert das Unternehmen den Reisenden größtmögliche Sicherheit zu. „Wir versichern allen unseren Gästen, dass für Aida Cruises die Sicherheit von Gästen und Crew jederzeit oberste Priorität hat“, sagt Unternehmenssprecher Kunze.

Aida Cruises beobachte die Entwicklungen in allen Ländern, die der Kreuzfahrt-Anbieter anfährt, und passe seine Routen kurzfristig entsprechend an, versichert Kunze. „Auf Basis eigener und externer Analysen entscheiden wir für jede Reise, ob und welche Maßnahmen gegebenenfalls eingeleitet werden.“ So werde Kairo derzeit nicht angelaufen, für das Rote Meer gebe es ebenfalls Einschränkungen. Auch der Zwischenfall in Aschdod hat Konsequenzen. In den nächsten zwei Monaten werde die Reederei keinen israelischen Hafen mehr ansteuern, teilte Kunze gestern mit. Ersatzweise werde im Hafen der griechischen Insel Santorin festgemacht.

Zu dieser Entscheidung dürfte auch die offizielle Reisewarnung beigetragen haben, die das Auswärtige Amt gestern für den Gaza-Streifen herausgegeben hat: Innerhalb eines Radius von 40 Kilometern um das Gebiet wird von nicht notwendigen Aufenthalten abgeraten. Das betrifft auch Aschdod. Zuvor habe es nach Angaben von Aida Cruises keine Hinweise gegeben, dass es in der Hafenstadt nicht sicher sei.

Der Grund für die Reisewarnung: Die Situation im Nahen Osten ist eskaliert. Israels Führung startete gestern, weniger als zwei Jahre nach dem letzten großen Blutvergießen, eine neue Militäroffensive im Gaza-Streifen. Die Luftwaffe bombardierte Dutzende Ziele in dem schmalen palästinensischen Küstengebiet, auch Wohnhäuser von Hamas-Aktivisten wurden getroffen. Zudem wurden Bodentruppen in Bereitschaft versetzt. Die Hamas hatte vorher binnen 24 Stunden mehr als 100 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert.

Der Militäreinsatz „Zuk Eitan“ (Fels in der Brandung) ist die Folge einer schrittweisen neuen Eskalation im Konflikt zwischen beiden Seiten. Auslöser für die erneuten Spannungen waren die Entführung und Ermordung dreier israelischer Teenager sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen.

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