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Parteitag am Wochenende : Ahrendt wieder FDP-Chef

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Grabenkämpfe und Heckenschützen: So präsentierte sich die Landes-FDP in den zurück liegenden Monaten. Und auch auf dem außerordentlichen Parteitag am Sonnabend in Warnemünde gab die Nordost-FDP kein gutes Bild ab.

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erstellt am 27.Nov.2011 | 05:26 Uhr

Rostock | Grabenkämpfe und Heckenschützen: So präsentierte sich die Landes-FDP in den zurück liegenden Monaten. Und auch auf dem außerordentlichen Parteitag am Sonnabend in Rostock-Warnemünde gab die Nordost-FDP kein gutes Bild ab.

Neuanfang Fehlanzeige: Trotz Scheiterns bei den Landtagswahlen im September und anschließendem Rücktritt als Partei-Chef setzt die FDP wieder auf Christian Ahrendt. Ohne Gegenkandidaten, ist er erneut zum Landesvorsitzenden der FDP in Mecklenburg-Vorpommern gewählt worden - aber mit Denkzettel. Gut ein Drittel der 189 Delegierten verweigerten dem Ex-Chef eine zweite Chance. Ahrendt erhielt nur 63,4 Prozent der Stimmen. Im Frühjahr 2011 hatte er noch 80,7 Prozent Zustimmung bekommen. "Das Ergebnis geht bei solch einem schweren Fahrwasser in Ordnung", sagte der 48-jährige. Man müsse jetzt nach vorn schauen.

"Der Fisch stinkt vom Kopf"

Mit Spannung wurde die Generalabrechnung mit der Parteispitze erwartet und es flogen die Fetzen: Gerd Scharmberg aus dem Kreisverband Nordvorpommern bescheinigte den Liberalen eine bisweilen "beschissene Personalpolitik". Die Basis jubelte. Ein Delegierter forderte einen neuen Landespartei-Chef, denn "der Fisch stinkt vom Kopf". "Politik ist ein Kampfsport", sagte Christian Ahrendt während der Führungsdebatte. Aber man müsse sich auch die Hand geben und wünschte sich den Neuanfang mit ihm. Bilanz: Das Jahr 2011 war eine politische Katastrophe für die FDP. In der Debatte zeigten sich erneut deutlich die Lagerkämpfe. Die schweren innerparteilichen Auseinandersetzungen haben tiefe Wunden hinterlassen.

Zum neuen stellvertretenden Landesvorsitzenden wurden der Wismarer René Domke (92,5 Porzent) und Rostocker Rolando Schadowski (64,5) gewählt. Domke, sowie der ebenfalls neue gewählte Generalsekretär der Liberalen Thomas Heldberg (81,2) gelten als die neue Hoffnung der zerrütten Partei. Gino Leonhard, der gescheiterte Spitzenkandidat bei der Landtagswahl meinte, die beiden könnten zukünftig noch mehr Verantwortung übernehmen. Leonhard und einzelne Wunschkandidaten standen für den Landesvorstand nicht zur Verfügung. Er selbst will sich jetzt auf sein kommunalpolitisches Engagement und beruflichen Neuanfang konzentrieren.

Michael Roolf, der ehemalige Chef der Landtagsfraktion und politischer Widersacher von Christian Ahrendt, wollte einen jungen, neuen Vorsitzenden, unter dem Ahrendt und er zusammenarbeiten sollten. Sein Vorschlag scheiterte. Roolf: "Das Wahlergebnis Ahrendts spricht eine deutliche Sprache. Es ist bezeichnend, dass ein junges Gesicht, wie Domke, mit rund 93 Prozent deutlich mehr Stimmen bekommt als der Vorsitzende." Bis zuletzt war unklar, ob Roolf selbst zur Wahl steht. Am Ende verzichtete er auf eine Kandidatur für den Landesvorstand. Er werde das demokratische Ergebnis aber akzeptieren und möchte "nicht mehr mit Dreck werfen". Ahrendt kommentiere die Aussage Roolfs auf Nachfrage unserer Zeitung so: "Jetzt muss jeder selbst überlegen, ob er weiterhin als Stichwortgeber agiert."

Spendenaufkommen gesunken

Nachfolger von Schatzmeister Bernd Lange wurde der alte Generalsekretär Hagen Reinhold (71,5 Prozent). Eine schwere Aufgabe wartet: Der Landes-FDP fehlen jetzt jährlich 20 000 Euro, weil sie nicht mehr im Landtag vertreten ist. Außerdem ist das Spendenaufkommen im Wahljahr 2011 deutlich gesunken, machte Ex-Schatzmeister Lange deutlich. Deshalb müsse jeder sein Essen auf dem Parteitag selbst zahlen, sagte er grinsend. Die Nach-Wahl des Vorstandes war nur möglich geworden, weil am Vorabend des Parteitages der gesamte Landesvorstand bis auf ein Mitglied zurückgetreten ist. Künftig wollen die Liberalen die "Gemeindevertretungen und Kreistage zu ihrem Landtag" machen. "Der Koalitionsvertrag ist eine Kapitulationserklärung der CDU vor der SPD", sagte Ahrendt und wollte Hoffnung für die nächsten Kommunal- und Landtagswahlen versprühen. Die Nordost-FDP wolle das Vakuum, welches die CDU hinterlässt, in der außerparlamentarischen Opposition füllen.

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