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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 08:09 Uhr

Agentur vermarktet Erfindungen

vom

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erstellt am 16.Mai.2010 | 06:48 Uhr

Rostock | Eine Rostocker Erfindung könnte das Leben hochgradig Schwerhöriger erheblich verbessern. Mit einer Elektrode kann ein zusätzlicher Regelkreis für ein Hörgerät-Implantat geschaltet werden. "So können wir das Implantat für den Patienten besser einstellen", sagt der Erfinder Hans-Wilhelm Pau. Der Leiter der Rostocker Uniklinik für Hals-Nasen-Ohrenmedizin hofft, dass die Steckelektrode demnächst zur Produktreife gelangt, einen Prototypen gibt es bereits. So gut klappe die Anerkennung und Verwertung einer Erfindung Made in MV bei weitem nicht immer, sagt Gesine Selig vom Verwertungsverbund Mecklenburg-Vorpommern, der 3000 Wissenschaftlern im Land zur Seite steht.

Zwischen 2002 und 2009 kamen allein von den Wissenschaftlern der Rostocker Uni 197 Erfindungen, davon wurden 144 zum Patent angemeldet. Die Greifswalder Universität blickt auf 137 Erfindungen und 90 Patentanmeldungen zurück. "Wir verzeichnen jährlich rund 60 Erfindungsmeldungen der Forschungseinrichtungen", sagt Selig. Gemeinsam mit einem Kollegen koordiniert sie für sieben Forschungseinrichtungen im Land die Bewertung und Patentierung wissenschaftlicher Erfindungen.

"Wir sorgen dafür, dass die wissenschaftliche Erfindung der Hochschule patentiert und bekannt gemacht wird", sagt die Biologin. "Erfinder benötigen Erläuterungen bei Formularen und Fristen", sagt die 42-Jährige, die selbst an der Rostocker Universität geforscht hat. Hinzu kommen erhebliche finanzielle Belastungen für die Erfinder. Für eine deutsche Anmeldung sind 4500 Euro zu zahlen, eine europäische Anmeldung eines Patents schlägt mit bis zu 6000 Euro zu Buche. Dafür können jedoch Fördermittel beantragt werden, wobei der Verwertungsverbund hilft.

Reich werde man mit den Erfindungen nicht, sagt auch Detlef Behrend, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Warnemünder Institutes für Implantattechnologie und Biomaterialien. 40 Wissenschaftler entwickeln dort nach Vorbildern in der Natur Produkte für die Medizin. Zu den neuartigen Biomaterialien gehören Stents für das Herz und Implantate für das Gebiss. "Es ist ein lebendiges Metier", findet der 54-Jährige, der bei der Patentierung Hilfe der Verwertungsagentur bekam. Bis ein Patent vergeben wird, können Jahre vergehen. Dennoch, die eigentliche Arbeit sei immer aufs Neue spannend, sagt Behrend.

Auf dem Weg zwischen Erfindung und Verwertung unterstützt der Verbund die Wissenschaftler bei der Öffentlichkeitsarbeit. Auf Messen und Kontaktbörsen werde gemeinsam nach Partnern in der Industrie gesucht, sagt Selig. Dieser Weg funktioniert mittlerweile auch in die andere Richtung. So habe sie einem Wismarer Unternehmer helfen können, der eine Idee hatte und wissenschaftliche Unterstützung aus dem Bereich Schiffbau brauchte.

Die Verwertungsquote der Erfindungen aus dem Nordosten liegt bei 15 Prozent. "Damit sind wir bundesweit im Durchschnitt", sagt Selig. Verwertung bedeutet, Patente werden verkauft, Unternehmen gegründet oder Lizenzverträge abgeschlossen. Spitzenreiter bei den Erfindungen ist der Bereich Medizintechnik, gefolgt von der Pharmakologie und der Medizin. "Es ist spannend, immer mit neuen Wissenschaftlern und ihren Ideen zu tun zu haben", sagt die Rostockerin. Manchmal wünscht sie sich einen besseren Informationsaustausch. Wissenschaftler wollen lieber an den Erfindungen arbeiten als direkt zu kommunizieren. Aber genau da könne der Verwertungsverbund helfen. Es seien fast durchweg Männer, die mit Erfindungen aufwarteten, bedauert die Expertin. "Ich wünsche mir mehr Frauen als Erfinder."

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