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Landwirtschaft : Afrikanische Schweinepest rückt näher

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Die Afrikanische Schweinepest breitet sich von Ost- nach Mitteleuropa aus. Zuletzt verendeten Wildschweine in Tschechien. Das Friedrich-Loeffler-Institut verschärft nun die Risikoeinschätzung für Deutschland. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen die Seuche.

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erstellt am 14.Jul.2017 | 07:00 Uhr

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher an Deutschland heran. Nach dem Auftreten der Seuche bei Wildschweinen in Tschechien hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) seine Risikoeinschätzung für die Einschleppung der Seuche nach Deutschland angepasst. Die Experten stufen das Risiko durch direkten Kontakt zwischen Wildschweinen nicht mehr als gering ein, sondern als mäßig. Als größte Gefahr für die Einschleppung gilt weiterhin der Mensch, der über nicht gegarte, kontaminierte Schweineprodukte den Erreger nach Westen tragen könne. Das Einschleppungsrisiko durch den Menschen wird weiter als hoch eingestuft.

Das hochinfektiöse Afrikanische Schweinepest-Virus zirkuliert in Wild- und Hausschweinbeständen in den baltischen Staaten sowie in der Ukraine, Polen und Russland. Seit Ende Juni wurden 25 Wildschweine in Ost-Tschechien gefunden, die an der Krankheit verendet waren. In keinem der Länder sei eine erfolgreiche Bekämpfung der Tierseuche bei Wildschweinen bisher gelungen, sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter am Donnerstag. Gegen die Afrikanische Schweinepest existiert bislang kein Impfstoff. Auch sei eine Bekämpfung der Seuche durch eine intensive Bejagung bislang erfolglos geblieben.

Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Ein Ausbruch der Seuche in Deutschland mit den laut EU-Verordnung drohenden Handelsrestriktionen könnte jedoch große Schäden verursachen. Deutschland gehört zu den weltweit größten Schweinefleischproduzenten. 2016 wurden in Deutschland 5,53 Millionen Tonnen Schweinefleisch erzeugt.  „Das Virus ist ein cleverer Erreger“, sagte Mettenleiter. „Es vermehrt sich in den Zellen, die eine Immunantwort vermitteln wollen.“ Der Erreger habe dabei verschiedene Mechanismen entwickelt, um einer immunologischen Reaktion zu entkommen. Weltweit wird nach Angaben Mettenleiters an einem Impfstoff geforscht. Es gebe aber bislang noch kein Mittel, das in die Nähe einer Einsatzfähigkeit komme. Infizieren sich Schweine mit ASP, ist die Sterblichkeit hoch. Bei experimentellen Infektionen habe die Sterblichkeitsrate bei bis zu 100 Prozent gelegen.

Der Erreger wurde 2007 aus Afrika nach Georgien eingeschleppt und hat sich von dort über Russland, das Baltikum bis nach Polen und Tschechien ausgebreitet. Seit 2014 wurden in Europa 5700 infizierte Wildschweine und etwa 660 Ausbrüche bei Hausschweinen registriert. In Ländern wie Weißrussland ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Alarmiert sind die Forscher auch deshalb, weil die Wildschweindichte in Mitteleuropa und Teilen Westeuropas - darunter auch Tschechien - deutlich höher ist als in den baltischen Staaten. Als Eintragungsquelle nach Tschechien wird allerdings der Mensch vermutet, der den Erreger über Lebensmittel eingeschleppt haben könnte. Das Virus kann Untersuchungen zufolge in kontaminiertem Kühlfleisch bis zu 104 Tage, in verschiedenen Schinken bis zu 400 Tage, in Salami bis 30 Tage überleben. Das Gebiet in Tschechien liegt etwa 400 bis 500 Kilometer von den Infektionsgebieten in der Ukraine und Polen entfernt.

Das FLI forderte zu einer erhöhten Wachsamkeit auf. Tote Wildschweine sollten den zuständigen Behörden gemeldet werden. Schweinehalter sollten sicherstellen, dass ihre Bestände keinen Kontakt zu Wildschweinen haben. Das Verfüttern von Speiseabfällen sei in Deutschland verboten. Größte Gefahr für eine Einschleppung sei aber der Mensch, der über kontaminierte Kleidung, Fahrzeuge oder draußen gelagertes Futter den Erreger in Haltungen eintragen könnte.

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