zur Navigation springen

Schwerin / Stralsund : AfD auf Distanz zu Pegida?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neonazis haben Teilnahme an Demonstration gegen angebliche Islamisierung in Schwerin angekündigt

von
erstellt am 08.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Die Alternative für Deutschland (AfD) wird die für Montag geplanten anti-islamischen Demonstrationen der Pegida-Ableger in Schwerin und Stralsund vermutlich nicht unterstützen. Grund: Für die Kundgebung unter dem Motto „Mecklenburg gegen die Islamisierung des Abendlandes“ an der Schweriner Siegessäule haben führende Rechtsextreme ihre Teilnahme angekündigt. AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm gestern gegenüber unserer Redaktion: „Wenn dort Politiker der NPD mitmarschieren, gehen wir auf Distanz.“

Zu den Kundgebungen hatten Gruppen wie Mvgida und Megida aufgerufen. Auf Facebook sagten bis gestern Nachmittag 113 Personen ihre Teilnahme an der Schweriner Kundgebung zu – unter ihnen auch der NPD-Landesvorsitzende Stefan Köster. Der NPD Kreisvorsitzende Westmecklenburg, Mathias Theißen, hat seine Teilnahme ebenfalls angekündigt.

Es geht der AfD offensichtlich ums Image. Grundsätzlich teile man viele Ansichten der Dresdner Protestbewegung Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), räumte Holm ein. Doch er und andere AfD-Politiker in Mecklenburg-Vorpommern wehren sich vehemend dagegen, „mit der NPD in einen Topf“ geworfen zu werden, wie Landeschef Holm kürzlich in einem offenen Brief an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) schrieb.

Vorwürfe des Rechtspopulismus gegen die AfD gibt es seit Längerem auch in Mecklenburg-Vorpommern. Im vergangenen Jahr hatte die eurokritische Partei beispielsweise im Kreistag von Vorpommern-Greifswald gleich mehreren Anträgen der NPD zugestimmt und die rechtsextreme Partei bei Forderungen gegen die Asylpolitik des Kreises unterstützt. „Wir orientieren uns nicht an Ideologien, sondern an Inhalten“, sagte der zweite Landessprecher, Matthias Manthei, damals gegenüber unserer Redaktion.

Eine endgültige Entscheidung darüber, wie die AfD mit den Pegida-Ablegern im Nordosten und den Aufrufen zu den Montagsdemos umgeht, werde der Landesverband in den kommenden Tagen treffen. „Wenn wir ein klareres Bild über Organisatoren und mögliche Teilnehmer haben“, so Holm.

Seit der Absage der Rogida-Kundgebung in Rostock, die ebenfalls am kommenden Montag stattfinden sollte, erfreut sich die für Schwerin angemeldete Demonstration wachsenden Zuspruchs. Die Zahl jener, die durch die Schweriner Innenstadt gegen eine angebliche Islamisierung „spazieren gehen“ wollen, hat sich innerhalb von 24 Stunden verdoppelt.

Doch noch wesentlich mehr Zuspruch als Megida haben die Organisatoren der Gegendemonstration, die für den kommenden Montag 18 Uhr auf dem Schweriner Alten Garten geplant ist. Allein auf der Facebook-Seite von Schwegdida (Schweriner gegen die Idiotisierung des Abendlandes) meldeten sich bis gestern Nachmittag 310 Gegendemonstranten.

Die schwächelnde NPD sieht in Pegida eine neue Chance. 15  000 Leute, die auf einer Dresdner Pegida-Demo im Chor „Volksverräter“ rufen, sei ein außerordentliches Erlebnis, schwärmt die NPD MV auf ihrer Internetseite und jubelt anschließend: „Volksverräter ist NPD-Sprachgebrauch und NPD-Denken.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen