Grausame Tierversuche? : Ärzte üben Operation an Schweinen

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Grünen-Politiker in Berlin und Brandenburg sprechen von grausamen Tierversuchen / Seminaranbieter geht in die Offensive

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23. Februar 2014, 16:39 Uhr

Operationen an Schweinen zur Ärzteausbildung stoßen bei Grünen-Politikern aus Berlin und Brandenburg auf Kritik. Jetzt will der Seminaranbieter HCx Consulting aus Wendisch Rietz (Oder-Spree) in die Offensive gehen. Morgen lädt er Politiker, Vertreter von Behörden und Medien zu einem Gespräch ein, teilte eine Angestellte mit. Mitarbeiter der Einrichtung wollen die Öffentlichkeit über die Methoden informieren.

Nach Angaben des Geschäftsführers Heiko Ziervogel werden jährlich mehrere Tausend Ärzte aus Deutschland, Europa und auch Asien im Medizinischen Kompetenzzentrum „Medizin im Grünen“ der HCx Consulting fortgebildet. Dazu würden auch etwa 300 Schweine pro Jahr genutzt.

Diese seien dem Menschen anatomisch sehr ähnlich und oft besser für Übungszwecke geeignet als etwa technische Simulationen. Vor allem Chirurgen und Notfallmediziner üben an ihnen medizinische Techniken. Die Schweine stammen demnach aus landwirtschaftlichen Betrieben und werden nach den Seminaren eingeschläfert.

Grünen-Politiker aus dem Berliner Abgeordnetenhaus hatten bereits im September 2013 eine Kleine Anfrage zu dem Thema gestellt. Sie sprachen von „grausamen Tierversuchen“. Eine weitere Anfrage kam nun von Axel Vogel aus der Grünen-Fraktion im Potsdamer Landtag. Vogel wies in seiner Frage darauf hin, dass der Nutzen dieser Kurse von Tierschutzorganisationen stark bezweifelt und für überflüssig gehalten werde, da alternative technische Möglichkeiten für diese Übungen verfügbar wären.

Doch weder die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit noch Brandenburgs Gesundheitsministerium sehen eine Möglichkeit, gänzlich auf Tiere als Übungsobjekte zu verzichten. „Da es sich um im Sinne des Tierschutzes rechtlich geprüfte und genehmigte sowie medizinisch wertvolle Fortbildungen und Forschungsprojekte handelt, sieht der Senat dazu keinen Handlungsbedarf“, hieß es von der Berliner Gesundheits-Staatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner. „Nach gegenwärtigem Stand der Wissenschaft kann auf die Durchführung von Tierversuchen nicht vollständig verzichtet werden“, erklärte auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke).

Da praktische Übungen in der Medizin unverzichtbar seien, um Operationstechniken zu entwickeln und zu trainieren, müssten bestimmte Techniken wie etwa Herzklappen-Operationen auch künftig an Schweinen geübt werden. „Die Alternative wäre eine mit Risiken verbundene Erstanwendung neuer Techniken am menschlichen Patienten“, erklärte Tack.

Das Medizinische Kompetenzzentrum ist nach Angaben von Ziervogel das einzige seiner Art in Ostdeutschland. Insgesamt gebe es in Deutschland nur wenige solcher Zentren. Versuche an Schweinen gibt es aber auch andernorts. Berliner Klinikärzte haben laut Demirbüken-Wegner beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren an zehn Kliniken oder deren wissenschaftlichen Einrichtungen in 26 Lehrprogrammen an Schweinen geübt.

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