Ersatzkassen-Projekt : Ärzte sollen weniger Antibiotika verschreiben

er Verband der Ersatzkassen (vdek) setzt Ärzten einen Anreiz, Antibiotika zurückhaltender zu verordnen.
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er Verband der Ersatzkassen (vdek) setzt Ärzten einen Anreiz, Antibiotika zurückhaltender zu verordnen.

Antibiotika können schnell unwirksam werden, wenn Bakterien Resistenzen gegen sie ausbilden. Da nicht laufend neue Antibiotika entwickelt werden können, hilft nur, sie sparsam einzusetzen. Dazu will ein bundesweites Projekt beitragen.

svz.de von
18. September 2017, 21:00 Uhr

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) setzt Ärzten einen Anreiz, Antibiotika zurückhaltender zu verordnen. Zum Beginn der herbstlichen Husten- und Schnupfensaison sagte der Rostocker Mediziner Attila Altiner, bei akuten Atemwegsinfektionen seien Antibiotika oft nicht nötig. Der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Rostock hat die wissenschaftliche Auswertung für das bundesweite Projekt Resist des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) übernommen. Heute informiert er in Schwerin über das Projekt, das im Sommer angelaufen ist.

Bis zum Herbst sollen nach seinen Worten rund 3000 niedergelassene Ärzte in Deutschland geschult sein. Patienten müssten daher damit rechnen, in Zukunft mit ihrem Hausarzt öfter über das Thema Antibiotika zu sprechen. Das zu häufige Verordnen von Breitbandantibiotika trägt dem vdek zufolge zu Resistenzen bei den Bakterien bei. Die Medikamente verlieren dann ihre Wirkung für wirklich gefährliche Krankheitskeime, insbesondere in Krankenhäusern. „Neue Antibiotika wird es in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht geben“, sagte Altiner.

Die Ärzte werden nach seinen Worten dazu motiviert, Schaden und Nutzen von Antibiotika gemeinsam mit den Patienten stärker abzuwägen und sich für Patienten, die auf Antibiotika bestehen, mehr Zeit zum Gespräch zu nehmen. Andererseits sollen Patienten ermutigt werden, es dem Arzt zu sagen, wenn sie Antibiotika nach Möglichkeit nicht einnehmen wollen.

„Einige Patienten erwarten Antibiotika und setzen den Arzt auch unter Druck“, sagte Altiner. Die meisten aber wollten Antibiotika nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Einem Antibiotika-Report der Krankenkasse DAK von 2014 zufolge sind etwa 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen unnötig.

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