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Medizin in MV : Ärzte fehlen – Klinik schließt tageweise

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Anklam am Wochenende keine Versorgung von Kindern mehr – Politik überrascht

Ärztenot und eine Stellensperre führen dazu, dass in Mecklenburg-Vorpommern erstmals eine Kinderklinik geschlossen werden muss. Schon ab diesen Freitag soll am Krankenhaus in Anklam die Kinder- und Jugendmedizin mit 13 Betten ab Freitag 16 Uhr bis Montag 7 Uhr komplett schließen. Der Betrieb in der Woche wird aufrecht erhalten. Für das Wochenende jedoch werden vorerst die kleinen Patienten an das Universitätsklinikum in Greifswald gefahren. Zudem müssen Eltern mit kranken Kindern ab Freitagabend nach Greifswald oder nach Wolgast fahren. Das sind z. B. aus Eggesin statt bislang 42 dann 83 Kilometer. Statt 45 Minuten dauert der Weg mit dem Auto eine Stunde und 20 Minuten.

Die Politik im Kreis und Land und auch die Krankenhausplaner in Schwerin zeigten sich gestern überrascht. Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) will sich heute äußern. Das Ministerium spricht von einer Übergangslösung. Schon vor Wochen wurde ein Gutachten zur Situation in der Kinderheilkunde an den 16 Kinderkliniken im Land in Auftrag gegeben. Die Lage ist ernst. Es fehlen Ärzte, weil die Kinder fehlen. Für Klinikbetreiber ist in der Regel Kinderheilkunde unattraktiv.

Die Belegschaft am Ameos Klinikum wurde über die künftige Situation informiert, bestätigte die Hausspitze, verwies aber auf die Universitätsmedizin in Greifswald, die seit Jahren in Anklam die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin betreibt. Der Geschäftsführende Direktor der Kinder- und Jugendklinik der Uni-Medizin, Prof. Dr. Holger Lode, spricht gegenüber unserer Redaktion von einer „Notlösung“. Wörtlich: „Wir haben Probleme mit der ärztlichen Besetzung und mussten reagieren.“ Laut Lode ein „vorübergehendes Thema“. Der Klinikdirektor hofft, dass schon nach wenigen Wochen die Versorgung am Wochenende wieder aufgenommen werden kann. Aber eine Stellensperre an der Universität verhindere, dass Kinderärzte eingestellt werden können. „Drei Fachärzte reichen nicht für ein Drei-Schicht-System über sieben Tage“, so Lode.

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Gagzow, berichtet, dass es schon vor sechs Wochen einen Krisengipfel im Sozialministerium gegeben habe. Gagzow fürchtet, dass das der Anfang vom Ende der Kinderklinik in Anklam sei. Er fordert die Politik zum Handeln auf, weil die Krankenhäuser in Anklam und in Wolgast am Tor zur Urlauberinsel Usedom Kinderheilkunde dringend benötigten.

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