Regionale Honorarverhandlungen stocken : Ärzte erwarten Gegenleistungen

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Die Meldung, dass Berlin als erstes Bundesland die Regionalverhandlungen über die Honorare der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten abgeschlossen hat, kann Dr. Wolfgang Eckert nur mit Kopfschütteln quittieren.

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02. Januar 2013, 09:00 Uhr

Schwerin | Die Meldung, dass Berlin kurz vor Weihnachten als erstes Bundesland die Regionalverhandlungen über die Honorare der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten abgeschlossen hat, kann Dr. Wolfgang Eckert nur mit Kopfschütteln quittieren. Denn so sehr er den Kollegen in der Hauptstadt auch gönnt, dass sie schon jetzt wissen, wie viel ihre Arbeit im neuen Jahr wert sein wird - der Verhandlungserfolg wurde zu Lasten der Mediziner in Mecklenburg-Vorpommern erzielt, ist der Vorstandsvorsitzende der hiesigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) überzeugt. Denn um in Berlin zu einem Verhandlungsergebnis zu kommen, sagte die AOK Nordost als größter regionaler Verhandlungspartner kurzfristig einen für den 10. Dezember in Schwerin angesetzten Verhandlungstermin bei der hiesigen KV ab, so Eckert. Erst am 14. Januar solle dieses Gespräch nachgeholt werden. Es sei damit der einmalige Zustand erreicht worden, dass es innerhalb eines Jahres nicht ein einziges Gespräch auf Vorstandsebene über die Honorierung der ärztlichen und psychotherapeutischen Tätigkeit gegeben hat, kritisiert Eckert.

"Auf Fachebene hat es aber durchaus Gespräche gegeben", hält Markus Juhls, der Sprecher der AOK Nordost, dagegen. "In einem ersten Verhandlungsgespräch haben die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern auf der einen und die Verbände der Krankenkassen auf der anderen Seite ihre Positionen ausgetauscht, die es jetzt zu bewerten gilt. Die Verhandlungen werden zeitnah fortgesetzt."

Für Eckert ist dies nur ein vages Versprechen. Denn schon bei den Honorarverhandlungen für das jetzt zuende gehende Jahr waren KV und Krankenkassen nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. "Es war schon alles ausgehandelt worden, aber dann verlangte die Kassenseite, die Honorare für ambulantes Operieren abzusenken", erläutert Eckert. "Das ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar und widerspricht zudem den politischen Vorgaben, mehr ambulant zu operieren. Deshalb haben wir das Schiedsamt angerufen."

Eckert sieht seitens der Kassen "eine klare Verschiebetaktik" und fürchtet, dass sich die Verhandlungen über die Ärztehonorare hier im Land ebenso über mehrere Jahre hinziehen könnten wie die über die Vergütung der häuslichen Krankenpflege. "Wenn uns das Gleiche passiert wie den Pflegeverbänden, dann werden wir uns auch wehren", macht der KV-Chef schon jetzt deutlich.

Wenn ausgehandelt werde, wie viel Geld die KV unter den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten verteilen kann, müsse unbedingt berücksichtigt werden, dass der Demografiefaktor - also der höhere Versorgungsbedarf, der durch die alternde Gesellschaft entsteht - in Mecklenburg-Vorpommern so groß wie in keinem anderen Bundesland ist, fordert Eckert. Zu berücksichtigen sei auch, dass es hierzulande überdurchschnittliche viele übergewichtige, rauchende und alkoholkranke Menschen gebe - das würde sich auf die Erkrankungsrate und letztlich auch auf die Lebenserwartung auswirken.

"15 Prozent der Leistungen, die Ärzte hier im Land erbringen, werden im Moment nicht bezahlt. Das muss sich ändern", gibt Eckert die Marschrichtung für die Honorarverhandlungen vor. Im letzten Jahr hätten die Kassenärzte ihr Arzneibudget nicht ausgeschöpft, sie seien den Kassen also entgegengekommen. "Nun erwarten wir auch mal Gegenleistungen."

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