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Ausländische Bewerber von privaten Personalvermittlern : Ärzte, die keiner will

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Hört sie Klagen über fehlende Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern, geht Angelika Gande der sprichwörtliche Hut hoch. Denn sie hätte einen Lösungsansatz für das Problem - doch niemand will ihn hören.

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erstellt am 29.Jul.2013 | 07:37 Uhr

Schwerin | Hört sie Klagen über fehlende Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern, geht Angelika Gande der sprichwörtliche Hut hoch. Denn sie hätte einen Lösungsansatz für das Problem - doch auch wenn sie damit schon von Pontius zu Pilatus gelaufen ist, will ihn keiner hören.

Sofort könnte die Personalvermittlerin aus Holthusen in der Nähe von Schwerin mit acht oder neun qualifizierten Ärzten verschiedener Fachrichtungen aufwarten. Doch niemand geht auf ihr Angebot ein. Weil Personalvermittler Geld für ihre Dienstleistung verlangen? Oder weil es sich bei den Fachkräften, die Angelika Gande und ihr Team vermitteln, zumindest im medizinischen Bereich ausschließlich um Ausländer handelt?

Ruft sie selbst oder einer ihrer Mitarbeiter bei einem Krankenkenhaus oder in einer Rehaklinik im Land an, auf deren Internetseite freie Stellen offeriert werden, sind meist wie durch ein Wunder plötzlich keine Stellen mehr vakant."Ich verstehe das einfach nicht", so die Geschäftsfrau.

Angelika Gande vermittelt Personal auf Norwegische 6-Sterne-Kreuzfahrtschiffe, für deutsche und österreichische Gastronomieketten, Schweizer Unternehmen gehören zu ihren Kunden - und auch mehrere Kliniken in Deutschland. Für letztere aquiriert sie mit Hilfe von Mitarbeitern vor Ort Ärzte und medizinisches Personal in den verschiedensten Ländern, vorrangig , aber nicht nur in Osteuropa. Etwa die Hälfte der Bewerber käme aus EU-Ländern, andere aus dem arabischen Raum, einzelne sogar aus den USA, so Gande.

"Bevor wir unserem Auftraggeber eine Auswahl von Bewerbern präsentieren, habe ich schon mehrfach mit ihnen telefoniert", erläutert Nic Zöpf, der sich in der Personalvermittlung vor allem um den Gesundheitsbereich kümmert. "Dabei geht es einerseits um die Motivation der Bewerber und andererseits darum, ihre Sprachkenntnisse zu testen. Damit ein Arzt hier arbeiten darf, braucht er wenigstens ein B2-Zertifikat. Auch wenn er das vorlegen kann, teste ich doch immer auch noch mal persönlich, wie gut er deutsch spricht." Die fachliche Eignung müssten allerdings die späteren Arbeitgeber überprüfen - doch das sei auch in anderen Branchen ganz normal.

Da sie Auftraggebern idealer Weise eine Auswahl von mehreren Bewerbern zuführt, auch wenn diese nur eine Stelle zu besetzen haben sollte, bleiben in der Kartei der Personalvermittler fast immer Job interessenten stehen. "Sie könnten doch wunderbar helfen, wenn in in anderen Einrichtungen Personalengpässe auftreten", meint Angelika Gande. Doch nicht nur in einzelnen Kliniken, sondern auch bei der Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV) und der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns (KVMV) sei sie mit ihren Vorstellungen abgeblitzt, beklagt die Unternehmerin. "Dabei will ich gar keine Extrawurst für mich, man könnte doch beispielsweise einen Pool einrichten, in den alle privaten Arbeitsvermittler Ärzte einbringen, die Interesse an einer Anstellung hier bei uns haben", ergänzt sie.

"Ein interessanter Vorschlag", findet Oliver Kahl, Hauptabteilungsleiter Sicherstellung bei der KVMV. Allerdings könne die Kassenärztliche Vereinigung damit kaum etwas anfangen, denn sie sei dafür zuständig, dass es genug niedergelassene Ärzte gibt. "Und so eine Niederlassung kostet Geld - egal, ob man eine Praxis neu aufmacht oder ob man eine bereits etablierte Praxis übernimmt. Ich bezweifle, dass ein Bewerber aus Osteuropa dieses Startkapital mitbringt", so Kahl. Wer kein Investitionsrisiko eingehen will oder kann, sei als Arzt im Angestelltenverhältnis besser aufgehoben - zum Beispiel in einem Medizinischen Versorgungszentrum. Interessenten müssten sich dann allerdings bei deren Trägern bewerben - die KVMV sei hier die falsche Adresse.

Auch die Krankenhausgesellschaft ist nicht befugt, für ihre Mitglieder Einstellungsgespräche zu führen, so KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow. Es gebe sogar einen Vorstandsbeschluss, der ihm ausdrücklich untersagt, mit privaten Personalvermittlern zu verhandeln. Diese müssten sich also weiter direkt an die einzelnen Kliniken wenden, wenn sie entsprechende Bewerber hätten. "Ich würde mir allerdings wünschen, dass sie mich dennoch darüber informieren", so Gagzow. Würde ein Haus wieder einmal über fehlende Ärzte klagen, könne er dann nämlich zumindest darauf verweisen, dass es konkrete Angebote privater Arbeitsvermittler gegeben hat.

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