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Ärzte besorgt über Engpässe bei Kindermedikamenten

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erstellt am 15.Aug.2013 | 06:27 Uhr

Greifswald/Schwerin | Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm: Immer wieder auftretende Engpässe bei Antibiotika- und Fiebersäften sind nicht nur für ihre kleinen Patienten, sondern zunehmend auch für sie selbst ein Problem. Das schreibt der stellvertretende Landesvorsitzende des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, der Greifswalder Dr. Andreas Michel, an die Kassenärztliche Vereinigung des Landes (KVMV).

Immer wieder käme es zu Lieferengpässen bei Antibiotikasäften - Cefiximsaft sei seit einem halben Jahr nicht lieferbar, Cefuroxim für längere Zeit nicht verfügbar, so der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Erschwerend käme dazu, dass die Krankenkassen "für uns undurchschaubar ständig die Lieferanten bei den Rabattverträgen" wechselten. Unter diesen gebe es viele Anbieter von Säften mit besonders schlechtem Geschmack. Selbst wenn es Eltern gelingen würde, ihren Kindern einen derartigen Saft zu verabreichen, würden diese ihn nicht selten wieder erbrechen. Es müsse dann ein weiteres Antibiotikum verschrieben werden.

Umgangen werden könnte das Pro-blem, wenn auf den Rezepten Medikamente namentlich verordnet und einen Austausch durch den Apotheker ausgeschlossen würde, meint der Greifswalder Kinderarzt. Denn dann bekäme das Kind garantiert Arznei, die ihm auch bekommt. Ärzte riskierten dadurch aber Regresse, denn sie seien verpflichtet, in 90 Prozent aller Verordnungen einen Austausch - der Fachbegriff lautet "aut idem" - zuzulassen. Die KVMV möge angsichts der aktuellen Lieferengpässe Kinder- und Jugendärzte von dieser Verpflichtung entbinden, lautet die Forderung Michels.

Die KVMV sei dafür der falsche Adressat, meint allerdings deren stellvertretender Vorsitzender Dr. Dieter Kreye. Die "aut-idem"-Regelung diene der Umsetzung der Rabattverträge, die die Kassen mit Pharmaherstellern abschließen würden, erläutert er. Kein Arzt habe bei etwa 140 Krankenkassen den Überblick über diese Verträge. Die Apotheken seien jedoch stets auf dem neuesten Stand. Viele Kollegen würden nur noch den Wirkstoff und die Dosierung ins Rezept eintragen. Das zum Rabattvertrag der jeweiligen Kasse passende Medikament auszuwählen sei dann Aufgabe des Apothekers. Sei das von der Krankenkasse vorgegebene Medikament des durch sie vertraglich gebundenen Herstellers nicht verfügbar, müsse die Kasse handeln, findet Kreye.

Das sieht auch der Sprecher der AOK-Nordost, Markus Juhls, so. Allerdings seien der Kasse aktuell keine Lieferengpässe von Firmen, mit denen sie Rabattverträge geschlossen hat, bekannt. Grundsätzlich dürfe der Apotheker in solchen Fällen auf eines der drei preisgünstigsten wirkstoffgleichen Präparate ausweichen, dem Arzt drohe dann kein Regress. Der Apotheker informiere über das Rezept die Krankenkasse, die gegebenenfalls Sanktionen ergreife. "Sie können bis zur Vertragskündigung gehen", so Juhls - das sei auch bereits vorgekommen.

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