zur Navigation springen

Ärger um Pauschalreisen ins schöne Rostock

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2012 | 08:23 Uhr

Die Rostocker Gesellschaft für Tourismus und Marketing (RGTM) macht deutschlandweit Werbung für die Hansestadt, rückt sie auf Messen ins beste Licht – und vermarktet seit wenigen Tagen auch Reise-Pakete hierher. Damit geht sie eindeutig zu weit, kritisieren Lokalpolitiker. Als städtische Gesellschaft dürfe sie den privaten Reiseanbietern auf diesem Gebiet keine Konkurrenz machen, meint Thomas Asendorf (FDP), Mitglied der Rostocker Bürgerschaft. „Das gibt der Gesellschaftsvertrag nicht her.“

Auch Anke Knitter (SPD) ist dieser Ansicht: „Als Gesellschaftszweck ist eindeutig die touristische Vermarktung der Hansestadt festgelegt. Mit der Veranstaltung von Reisen hat das nichts zu tun.“ Die Juristin sitzt im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus und ist vom neuen Betätigungsfeld der RGTM sehr überrascht. Denn im zuständigen Ausschuss wurde darüber noch gar nicht gesprochen. „Die Bürgerschaft darf aber erwarten, dass sie über so weit reichende Änderungen der Gesellschaft informiert wird“, sagt sie. Schließlich ergäben sich aus dem neuen Geschäftsfeld auch neue Risiken, über die die Gesellschaftervertreter informiert sein müssten.

Die RGTM ist eine Tochtergesellschaft von Rostock Business und gehört damit zu einem großen Teil der Hansestadt Rostock. Über wirtschaftliche Betätigungen von kommunalen Unternehmen entscheidet normalerweise die Bürgerschaft.
Die Vorwürfe, Entscheidungen an dem Gremium vorbei getroffen zu haben, weist der Chef der RGTM, Matthias Fromm, zurück. „Der Aufsichtsrat war ebenso in die Planung eingebunden wie der Fachbeirat und die Gesellschafterversammlung“, sagt er. Insgesamt kann er die Kritik an der RGTM als Reiseveranstalter nicht nachvollziehen: „Das entspricht doch eindeutig dem Unternehmensziel“, sagt er. „Schließlich vermarkten wir mit den Reiseangeboten die touristische Destination Rostock und Warnemünde.“ Mit Reise-Paketen zu Themen wie „Kleine Auszeit“, „Cityleben“, „Kletter-Action“ oder „Zooerlebnis“ wolle die RGTM für Rostock neue Zielgruppen erschließen. „Das ist Imagewerbung für unsere Stadt“, sagt Fromm. Außerdem würde damit keinem lokalen Privatunternehmen Konkurrenz gemacht werden. „Denn Anbieter von solchen Pauschalangeboten nach Rostock gibt es überhaupt nicht“, ergänzt er.

Bevor das Geschäftsfeld der RGTM um die Reiseveranstalter-Tätigkeit erweitert wurde, habe es zudem laut Fromm eine rechtliche Beratung durch Rechtsanwälte und die Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK) gegeben. Die Kammer bestätigt zwar, dass es bereits im Jahr 2010 eine so genannte Aufschluß-Beratung gegeben hat. Dabei seien aber nur zivilrechtliche Fragen geklärt worden. Ordnungs- und kommunalrechtliche Fragen wurden nach IHK-Angaben nicht berührt.

Genau die wollen die Kritiker jetzt aber klären. „Ich habe erhebliche Zweifel, dass das Vorgehen der RGTM mit der Kommunalverfassung vereinbar ist“, sagt Knitter. Asendorf fordert jetzt eine erneute Stellungnahme vom Rathaus, diesmal von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) persönlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen