Türsteher-Skandal bei IHK : Ärger über Erfolgsmeldung

Türsteher aus Hessen  kamen gern nach Neubrandenburg.
Türsteher aus Hessen kamen gern nach Neubrandenburg.

Prüfungsergebnisse von Türstehern aus Hessen bei der IHK Neubrandenburg gekauft?

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26. November 2014, 20:31 Uhr

Schneller als die Polizei erlaubt, war am Dienstag das Landeskriminalamt (LKA) Hessen. Die Beamten in Wiesbaden veröffentlichten kurz vor 12 Uhr eine Erfolgsmeldung über ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit, während im selben Fall in Mecklenburg-Vorpommern an zehn Orten die Durchsuchungen und Sicherstellungen von Beweismaterial längst noch nicht abgeschlossen waren. Wie unsere Redaktion aus dem Schweriner LKA erfuhr, sorgte die vorschnelle Pressemitteilung aus Wiesbaden mit teilweise falschen Informationen für erheblichen Ärger bei den Fahndern in Mecklenburg-Vorpommern. Wie weit die Ermittlungen dadurch behindert wurden, war gestern nicht bekannt.

„Wir dachten die Durchsuchungen seien abgeschlossen“, sagte Udo Bühler, Sprecher im hessischen LKA.

Das Schweriner LKA ermittelt in Zusammenarbeit mit der Stralsunder Staatsanwaltschaft gegen drei ehrenamtliche Prüfer der IHK Neubrandenburg. „Es besteht der Anfangsverdacht, dass für positive Prüfungsergebnisse Geld geflossen ist“, so der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Cloppenburg.

Der Hinweis kam aus Hessen. Dort ermittelt das LKA gegen Verdächtige aus der Türsteherszene. Den Angaben aus Wiesbaden zufolge haben 91 Männer aus dem Rhein-Main-Gebiet über den Zeitraum von fünf Jahren ihre Sachkundebescheinigung für die Sicherheitsbranche bei der IHK Neubrandenburg erworben. Jeder habe auf Anhieb die Prüfung geschafft, obwohl in der Regel etwa 40 bis 60 Prozent der Anwärter durchfallen. Summen von bis zu 1000 Euro im Einzelfall seien für Gefälligkeitsprüfungen gezahlt worden.

Die Geschäftsführung der IHK Neubrandenburg zeige sich den Ermittlern gegenüber kooperativ, sagte Oberstaatsanwalt Cloppenburg. Aber der hohe Andrang von Türstehern aus Hessen ist dort in den vergangenen Jahren offenbar niemandem aufgefallen.

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