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Parchimer Umland : Ärger mit Baumeister Biber

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

26 Standorte von Biberburgen im Bereich der Mittleren Elde sind bekannt / Der Nager kommt mancherorts mit Zivilisation in Konflikt

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Baumeister Biber kommt im Parchimer Umland zunehmend mit der Zivilisation in Konflikt. Im Bereich Groß Niendorf müssen beispielsweise mit behördlicher Genehmigung regelmäßig Biberdämme in der Höhe reduziert werden, damit die Vorflut weiter funktioniert und landwirtschaftliche Flächen nicht unter Wasser stehen. Denn der Biber baut ständig. Und der Aufwand werde immer größer, sagt Uwe Zöllner, Geschäftsführer im Wasser- und Bodenverband Mittlere Elde.

In den Jahren 2007/2008 wurden in den Mestliner Wiesen und den Prestiner Torfstichen die ersten Biberburgen in seinem Verbandsgebiet entdeckt. Dort macht der Nager wenig Schaden, sagt Zöllner. Aber er vermehrt sich. Auch zum Amtsgebiet Goldberg-Mildenitz gehört der Bereich um Dobbertin. Eckhard Riemann, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Mildenitz/Lübzer Elde, weiß auch vom Biber. „Wir sind das Problem im Prinzip losgeworden, durch eine Umstrukturierung. Im Dobbertiner Bereich ist es im Moment nicht so konkret, aber das wird sicherlich kommen“, sagt er auf Nachfrage.

Mittlerweile sind allein im Gebiet der Mittleren Elde ca. 26 Standorte von Biberburgen bekannt. Für den Zweckverband liegt der jährliche Zusatzaufwand für Pflegearbeiten mittlerweile bei 5000 Euro. Die Summe scheint noch moderat. Zöllner sieht aber in seiner täglichen Praxis auch, wie groß der Schaden allein für die Landwirtschaft und für die Forstwirtschaft ist. Vor der Tätigkeit des Baumeisters sind mittlerweile selbst Eichen nicht mehr sicher, hat Zöllner beobachtet. Und einige Zweckverbände haben bereits wesentlich größere Probleme mit dem Nager, wie Zöllner u.a. von der Oberen Warnow weiß.

„Wir warten auf eine landesweite Regelung“, sagt Zöllner. Die Wasser- und Bodenverbände im Land fordern Ausnahmegenehmigungen, dass Biber in bestimmten Situationen vergrämt und bejagt werden dürfen. So wie Rehe und Wildschweine auch bejagt werden und wie es mittlerweile für Kormorane eine Ausnahmegenehmigung gibt.

Biber können enormen Schaden verursachen. Zöllner verweist auch auf die ganz besonderen Probleme in hoch geschützten Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH). So werden enorme Summen investiert, um Gewässer durchgängig zu machen, zu renaturieren und beispielsweise den Lebensraum der Kleinen Bachmuschel (Unio Crassus) zu schützen. Wenn der Biber baut, schade das dieser streng geschützten Art. Die Flüsse verschlammen und Wirtsfische haben schlechte Bedingungen. Und nicht nur der Biber, auch die streng geschützten Fischotter fressen die ebenso geschützten Muscheln.

Einige der Biberburgen hat der Parchimer Verband übrigens erst in jüngster Zeit dazu bekommen – durch eine gerichtlich verfügte Umstrukturierung der Wasser- und Bodenverbände im Land. So liegt im Verantwortungsbereich des Verbandes Mittlere Elde jetzt u.a. die erste Biberburg in der Westlichen Löcknitz bei Balow. Neu hinzu gekommen sind auch einige Biberburgen bei Wamckow, früher Obere Warnow.

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