Krankenkassen : Ängste greifen um sich

ZManche Menschen mit einer Angststörung trauen sich kaum noch aus dem Haus - diese Furcht lässt sich aber psychotherapeutisch behandeln.  
ZManche Menschen mit einer Angststörung trauen sich kaum noch aus dem Haus - diese Furcht lässt sich aber psychotherapeutisch behandeln.  

Allein 100 000 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern wurde die Diagnose Angststörung gestellt

Karin.jpg von
15. Januar 2018, 05:00 Uhr

Herzrasen, Brustschmerz, Erstickungs- oder Schwindelgefühle: In Mecklenburg-Vorpommern kennen immer mehr Menschen diese Symptome einer Angsterkrankung. Nach Zahlen der Barmer leiden hierzulande bereits mehr als 100 000 Männer, Frauen und Kinder an wiederkehrenden schweren Angst- und Panikattacken. Aus Diagnosedaten der Krankenkasse geht hervor, dass im Jahr 2016 bei 6,69 Prozent ihrer Versicherten im Land eine Angststörung diagnostiziert wurde.

Binnen vier Jahren – von 2012 bis 2016 – ist die Diagnoserate um ein Fünftel (20,6 Prozent ) angestiegen. Eine besorgniserregende Entwicklung. Barmer-Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach hofft, dass sich die Situation durch die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Psychotherapierichtlinie entspannt. Danach müssen psychotherapeutische Praxen seit 1. April 2017 mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein. Und sie sind verpflichtet, eine Sprechstunde anzubieten. „Dort kann abgeklärt werden, ob eine Therapie benötigt wird oder ob eine Beratung ausreicht“, so Kutzbach. Die ebenfalls neu eingeführte Akutbehandlung kann zur Besserung psychischer Krisen beitragen und unterstützt die Patienten sofort. „So wird für eine Psychotherapie Zeit gewonnen und es eröffnen sich gegebenenfalls andere Behandlungsmöglichkeiten. Im besten Fall kann die Therapie abgeschlossen werden“, betont der Landesgeschäftsführer.

Es sind verschiedene Faktoren, die erst im Zusammenwirken zum Ausbruch einer Angststörung führen. Eine genetische sowie eine psychosoziale Veranlagung zählen ebenso dazu wie belastende Lebenssituationen oder Umweltereignisse, die dazu führen können, dass die Belastungsgrenzen überschritten werden. Spätestens, wenn Menschen unter einem ständigen Gefühl von Besorgtheit und Anspannung leiden, also eine generalisierte Angststörung vorliegt, ist eine Behandlung erforderlich, betont Kutzbach.

Am häufigsten wird die Diagnose Angststörung nach den Barmer-Daten bei Menschen zwischen dem 55. und dem 70. Lebensjahr gestellt. Frauen sind in Mecklenburg-Vorpommern mit 8,89 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer (3,64 Prozent).

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