Nitratbelastung in MV : Äcker immer schlechter

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Nach Ansicht von Umweltschützern werden die Böden in MV immer schlechter. Zudem fordern sie  den Bodenzustandsbericht des Landes an, der 2013 vorliegen sollte.

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05. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Die Umweltorganisation BUND mahnt zum Welt-Boden-Tag (5. Dezember) bei der Schweriner Landesregierung erneut ein Bodenschutzprogramm an. Nach BUND-Angaben verschlechtert sich der Zustand wegen zunehmender Erosion und immer geringerer Bodenbildung. Verantwortlich dafür sei die industrielle Pflanzen- und Tierproduktion.

Das Programm müsse die bestehenden Probleme analysieren und Anleitungen zum Erhalt oder zur Wiederherstellung des guten Bodenzustands geben, sagte BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. „Als Voraussetzung dafür fordern wir den aktuellen Bodenzustandsbericht, der bereits 2013 fertig sein sollte und auf den wir im März auf diesen Herbst vertröstet wurden“, sagte er.

BUND-Angaben zufolge sind im Land rund 40 Prozent der Böden durch Bodenverdichtung, 10 Prozent durch Wasser- sowie 7 Prozent durch Windabtrag gefährdet, aber nur für 4 Prozent des Ackerlands gebe es Auflagen zur erosionsmindernden Bewirtschaftung. Der BUND ist überzeugt, dass der ökologische Landbau am besten einen nachhaltigen Bodenschutz verwirklichen kann. Das belegten 90 Jahre biologisch- dynamische Landwirtschaft in Deutschland und Feldversuche weltweit. Am Freitag will der BUND auf dem Demeter-Hof Medewege bei Schwerin ein konserviertes Bodenprofil übergeben. Es war im Mai gegraben worden. Es dokumentiert den derzeitigen Bodenzustand und kann in Zukunft Vergleichen dienen, wie Roloff sagte. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) hat auf dem Acker zudem eine 30 Meter mal 30 Meter große Dauer-Beobachtungsfläche angelegt. Damit können Veränderungen des Humusgehalts, der Stabilität oder der Wasserhaltefähigkeit festgestellt werden, außerdem der Einfluss der Wirtschaftsweise auf die Artenvielfalt.

In Mecklenburg-Vorpommern sind landesweit 36 Boden-Dauer- Beobachtungsflächen angelegt, darunter eine auf einem Bio-Acker. Agrarminister Till Backhaus (SPD) eröffnete am Donnerstag im Thünen-Museum Tellow (Landkreis Rostock) die Ausstellung „LandNutzenLeben“. Sie zeige, wie sich Art und Umfang der Bodennutzung über die Jahrzehnte geändert haben. „Der Boden, unser Land, ist ein knappes, nicht vermehrbares Gut“, sagte der Minister. Die agrarpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Schulz, sah eine massive Überversorgung der Böden mit Stickstoff, die die Böden unfruchtbar mache. Die überschüssigen Nährstoffe würden ins Grundwasser ausgewaschen und belasteten das Trinkwasser. Jahrelang seien die Nitratwerte infolge des geringeren Tierbestandes nach dem Ende der DDR gesunken. Doch nun steige die Nitratbelastung erstmals wieder an, vor allem wegen der Gülle aus der Massentierhaltung.

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