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Windeignungsgebiete : Adler-Nistplätze im Visier

vom
Aus der Onlineredaktion

Immer öfter werden Greifvogel-Horste zerstört. Sie befanden sich in potenziellen Windkrafteignungsgebieten

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Schreiadler und Rotmilane stehen unter Schutz: Dennoch gibt es Menschen mit krimineller Energie, die es auf die stattlichen Greifvögel abgesehen haben. 17 Fälle von zerstörten Schreiadler- und Rotmilan-Horsten registrierten allein die Behörden im Landkreis-Vorpommern Greifswald in den letzten Jahren. Auch wenn sich die letzte Fällung bei Boldekow als genehmigte Aktion nach massiven Windbruchschäden herausstellen sollte, geht der Kreis in 16 Fällen von vorsätzlichen Zerstörungen aus. „Wir haben Anzeige erstattet“, sagte Kreissprecher Achim Froitzheim.

Seit einigen Monaten häufen sich Fälle von abgesägten Bäumen oder zerstörten Horsten. Auch im Kreis Ludwigslust-Parchim wurde Ende 2016 ein solcher Vorfall bekannt. Dort war eine Kiefer mit dem Horst eines Rotmilans in einem potenziellen Windeignungsgebiet abgesägt worden. In Nordwestmecklenburg war unter anderem eine Esche in Nähe eines Windeignungsgebietes gefällt worden.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald vermutet, dass hinter den mutwilligen Zerstörungen Profiteure des Windkraftausbaus stecken könnten – wie Landeigentümer, denen hohe Pachteinnahmen winken. „Alle zerstörten Horste befanden sich in potenziellen Windkraft-eignungsgebieten“, sagte Kreissprecher Achim Froitzheim. Das könne kein Zufall sein.

Der Naturschutzbund Nabu ist ebenfalls alarmiert, auch wenn bislang ein Beweis für einen Zusammenhang fehlt. „Schreiadler und Rotmilane sind windparkrelevante Arten“, sagte der Nabu-Experte Ulf Bähker. Der Verdacht eines Zusammenhanges liege nahe. Er warnte davor, Klimaschutz gegen Naturschutz auszuspielen. „Wenn es keinen ausreichenden Raum für weitere Windkraftanlagen gibt, dann muss man sagen, dass das Gebiet nicht geeignet ist“, sagte Bähker.

Nach Angaben des Nabu liegen die Standards bei den Abständen zwischen Horsten und Windkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern unter denen, die bundesweit von Experten empfohlen werden. Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten hat in ihrem „Helgoländer Papier“ Mindestabstände von Windkraftanlage von 6 Kilometer zu Schreiadler-Horsten und 1,5 Kilometer zu Rotmilan-Horsten empfohlen. In Mecklenburg-Vorpommern betragen die Abstände 3 beziehungsweise 1 Kilometer. Dies sei ein „Herunterschrauben von Anforderungen“, sagte Bähker.

Das Energieministerium, das einen weiteren Ausbau der Windkraft in Mecklenburg-Vorpommern proklamiert, distanzierte sich von kriminellen Aktionen, die im Zusammenhang mit dem Bau von Windkraftanlagen stehen könnten. „Versuche, Windkraftanlagen durch solche Handlungen zu ermöglichen, sind nicht nur Straftaten sondern auch unsinnig“ sagte Energieminister Christian Pegel (SPD). Es sei zu hoffen, dass die Verursacher gefasst und zur Verantwortung gezogen werden.

Rechtlich bleibt der Schutzstatus für die Gebiete nach der Zerstörung der Horste erhalten – bei Rotmilanen für drei Jahre, bei Schreiadlern für zehn Jahre. Auch sind die zerstörten Horste keine Garantie für greifvogelfreie und damit genehmigungskonforme Windparkgebiete.

Bislang ist kein Täter gefasst worden. „Die bisherigen Verfahren sind ergebnislos eingestellt worden“, bedauert Froitzheim. Statt neue Eignungsgebiete auszuweisen, setzt der Naturschutzbund auf das Repowering – den Ersatz von bestehenden Windkraftanlagen durch leistungsfähigere.

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