zur Navigation springen

Mecklenburgische Seenplatte : Adler-Drohne kontra Vögel

vom
Aus der Onlineredaktion

Neue Methode schützt Blaubeeren. Betrieb meldet erste Erfolge nach Techniktest

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 11:55 Uhr

Wer Kirschbäume hat, kennt das Problem – die Stare. „Die Vögel mögen nicht nur Kirschen, sie fallen im Schwarm auch über Erd- und Heidelbeeren her“, weiß der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Chemnitz mbH bei Neubrandenburg Toni Jaschinski.

Der Landwirt hat Erfahrung: Der Betrieb bewirtschaftet in Rottmannshagen an der Mecklenburgischen Seenplatte mit 21 Hektar eine der größten Blaubeerplantagen in Deutschland. Dort kann man derzeit Ungewöhnliches beobachten: Eine Drohne in Form eines Greifvogels setzt den Schwärmen mit 100 bis 300 Tieren enorm zu. „Wir probieren das erstmals“, sagt Jaschinski: „Wir sind überrascht, wie gut das wirkt.“ „Drohnen-Beauftragter“ ist der studierte Agrarwirt Martin Hörhold.

Der 29-Jährige lässt das rund 1000 Euro teure Fluggerät vom Typ „Parrot-Disko“ meist einmal morgens und dann nachmittags oder abends aufsteigen. „Die Stare können die Drohne nicht von einem Adler unterscheiden“, sagt er. Das Fluggerät aus Frankreich ist bis zu 80 Stundenkilometer schnell und kann 45 Minuten ununterbrochen kreisen.

Mit lautem Summen dirigiert Hörhold die Drohne am liebsten oberhalb der Starschwärme. „Die Vögel weichen aus und die Schwärme teilen sich dann“, beschreibt er. Es sieht aus wie bei großen Fischschwärmen, die Haien ausweichen. Schließlich flüchten die Stare in Nachbarwälder.

Die Plantage mit den 1,50 Meter hohen Sträuchern wird von mehr als 30 polnischen Saisonkräften, darunter Studenten, bepflückt und bemäht.

Im Sommer hat Jaschinskis Firma, zu der auch Getreideanbau, Mais, Zuckerrüben sowie Rindermast und Mutterkühe gehören, damit doppelt so viele Mitarbeiter wie sonst. „Wir ernten 50 bis 60 Tonnen Blaubeeren bis in den September hinein“, erläutert der Betriebschef. In sehr guten Jahren seien auch 100 Tonnen möglich. „Aber die Stare pickten bisher etwa 15 Tonnen Beeren weg.“ Wenn Beeren herunterfallen, dürfen sie wegen des Bio-Zertifikats nicht mehr verkauft werden. Den Verlust schätzt Jaschinski auf 75 000 bis 100 000 Euro im Jahr.

Auch deshalb hat er Hörhold direkt von der Hochschule Neubrandenburg weg eingestellt. Dieser hat die Stare erst durch Herumlaufen verscheucht, dann mit Drachen, durch Umstellen von Vogelscheuchen und zuletzt durch laute Knallkanonen. „Das half so eine Woche, dann haben sich die Vögel daran gewöhnt.“ Aber beim Knallen gab es Ärger mit den Nachbarn.

Die Drohne wirke anders: „Für Stare ist das eine Energiebilanzfrage“, hat Hörhold herausgefunden. Wie andere Tiere fressen die Vögel zuerst dort, wo sie den niedrigsten Aufwand haben. Das bedeutet konkret, dass die Heidelbeeren mehr Ruhe haben, wenn in der Nähe das Korn gedroschen wird und dort auch etwas zu Picken liegt. „Drohnen werden auch zu anderen Zwecken eingesetzt“, erklärt Hörhold.

So lassen Bauern die Fluggeräte mit Kameras über Wiesen fliegen, um Rehkitze vor dem Mähen zu finden und verscheuchen, weil sie sonst getötet würden. Wichtige Voraussetzung für das Fliegen ist aber das Internet. „Ohne stabile Verbindung geht das mit der Fernsteuerung nicht“, erläutert Hörhold. In Rottmannshagen klappt das. Falls es mal eine Internetstörung gibt, gehe die Drohne erst auf Rundflug-Modus.

Nach drei Wochen sieht Jaschinski erste Erfolge durch die „Adler-Drohne“. „Diese Technik können wir nutzen, um Wildschäden genau zu erfassen oder die Flächen für die Förderung durch die EU genauer auszumessen und anzugeben.“ Das habe er sich auf der Cebit-Messe in Hannover angesehen. Bis dahin sollen noch viele Blaubeeren von den Zuchtsträuchern geerntet sein. Deshalb lässt Hörhold weiter die „Adler-Drohne“ über Rottmannshagen kreisen – nur bei Regen nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen