Milchpreis : Aderlass im Kuhstall

Leiden besonders unter der Umstellung: Milchkühe.
Leiden besonders unter der Umstellung: Milchkühe.

Milchgeld sinkt in MV schon wieder auf 30 Cent, Rinderallianz: Stecken in der nächsten Krise, Branche drängt auf neue Lieferverträge

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02. März 2018, 05:00 Uhr

Preisdruck am Melkstand: Angesichts einer drohenden neuen Milchkrise drängen Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern auf neue Lieferverträge, um der Überproduktion Herr zu werden. Es müssten Milchkaufverträge mit klaren Mengen- und Preisangaben vereinbart werden, forderte Christian Karp, Landeschef des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) gestern auf dem Milchbauerntag in Karow nahe Plau.

Das ist bislang nicht der Fall. Die geltende Andienungspflicht der Bauern und Abnahmepflicht der Molkereien passten nicht mehr zur Marktsituation, forderte Agrar-Staatssekretär Jürgen Buchwald die Branche auf, selbst für Veränderung zu sorgen. Menge und Preis müssten vor der Milchlieferung vereinbart werden. Die Marktordnung sei indes entsprechend geändert.

„Nur wenn wir die Milchmenge in den Griff bekommen, könne der Handel beeinflusst werden, höhere Preise für Milchprodukte zu zahlen“, stimmte Gerd Göldnitz, Vizepräsident des Bauernverbandes zu. Ansonsten werde die Branche „ewig“ unter Marktschwankungen leiden. Er forderte u. a. einen Bonus für Bauern, die kontinuierlich Milch lieferten. Göldnitz: „Es kann nicht sein, dass alle bestraft werden, nur weil einige zu viel Milch liefern.“ Der Bauernvize forderte ein Umdenken in den Genossenschaftsmolkereien. Bauern bräuchten ein Milchgeld, mit dem sie aus den eigener Kraft Investitionen bezahlen könnten. Die Branche steht unter Druck: Nur wenige Monate nach der letzten, bislang schwersten Milchmarktkrise haben die Preise erneut deutlich nachgelassen. Nach den zuletzt hohen Preisen war die Milchliefermenge wieder stark angestiegen – zu Jahresbeginn um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Inzwischen erhielten die Bauern schon wieder nur noch 30 Cent je Liter Milch, teilweise sogar weniger, kritisierte BDM-Chef Karp. Das Milchgeld reiche den Bauern nicht, um die Kosten zu decken, beklagt Sabine Krüger, Chefin der Rinderallianz: „Die Not ist groß. Wir stecken mitten in der nächsten Krise.“ Mit Folgen: Seit 2014 hätten in MV bereits 169 Betriebe mit 19 000 Tieren aufgeben müssen. Damit sei auch Zuchtpotenzial verlorengegangen – 20 Prozent der Herdbuchbetriebe weniger. „Ein Aderlass“, meint Krüger.

Die Verarbeiter versuchen indes die Krise im Kuhstall herunterzuspielen. Das in den vergangenen Wochen in die Kritik geratene Deutsche Milchkontor (DMK) – einer der größten Verarbeiter in MV und bundesweit – versuchte sich in Schadensbegrenzung. Die Landwirte könnten sich langfristig auf Preise im Schnitt zwischen 30 und 40 Cent je Liter einstellen, prognostizierte DMK-Vorstandschef Thomas Stürtz: „Eine Krise wie 2016 war eine Ausnahme. Es ist nicht zu erkennen, dass es eine neue gibt.“ Das Milchkontor hatte zuletzt im Januar und Februar das Milchgeld gesenkt. Im Vorfeld von Lieferungen vereinbarte Preise lehnte Stürtz ab. Angesichts der starken Marktschwankungen sei das nicht möglich. Das DMK habe aber in einem ersten Schritt die Andienungspflicht bei Vertragskündigung von zwei Jahren auf ein Jahr gesenkt.

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