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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 17:57 Uhr

Ostdeutschland : Ackerpreise explodieren

vom
Aus der Onlineredaktion

Im Osten teilweise um bis zu 335 Prozent. Grüne fordern Verkaufsstopp für ehemaliges DDR-Land

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Die Pacht- und Kaufpreise für Ackerflächen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. So stiegen die Preise für Neupachten pro Hektar in zehn Jahren um 80 Prozent auf zuletzt im Schnitt 430 Euro, geht aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage der Grünen hervor. Noch deutlicher fiel der Anstieg der Kaufpreise aus. Im Schnitt verteuerten sich die Flächen um 120 Prozent, der Hektar Ackerland kostete zuletzt fast 20 000 Euro.

Dabei stiegen die Preise in den ostdeutschen Bundesländern deutlich höher, liegen zum Teil aber immer noch weit unter West-Niveau. Laut Daten des Bundesfinanzministeriums kletterten die Kaufpreise im gesamten Osten um 251 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern sogar um 335 Prozent auf etwa 25 000 Euro pro Hektar.

Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff sieht darin eine Mitverantwortung der Bodenverwertungs und -verwaltungs GmbH (BVVG). Das bundeseigene Unternehmen privatisiert ehemals volkseigene Agrar- und Forstflächen der DDR. Ostendorff kritisierte: „Die BVVG ist Preistreiber auf dem Bodenmarkt.“ Deren Kauf- und Pachtpreise lägen weit über dem Durchschnitt. „Bei den Preisen sind bäuerliche Betriebe aber aus dem Rennen. Übrig bleiben nur noch Kapitalinvestoren“, sagte Ostendorff. Er forderte einen Verkaufsstopp für die ehemaligen DDR-Flächen. „Die verbleibenden Flächen müssen für bäuerliche Betriebe, Betriebsneugründungen und mehr Ökologie zur Verfügung stehen.“

Die BVVG hat nach eigenen Angaben noch 145 500 Hektar Agrar- und Forstflächen im Bestand. Dieses Jahr will sie 9400 Hektar für 262 Millionen Euro verkaufen, 2016 waren es 10 400 Hektar für 402 Millionen Euro.

Kauf- und Pachtpreise sind indes in den westdeutschen Bundesländern viel höher. In Bayern und Nordrhein-Westfalen lag der durchschnittliche Kaufwert 2015 etwa bei fast 50 000 beziehungsweise 40 000. Auch Niedersachsen liegt mit mehr als 30 000 Euro über dem Bundesschnitt.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) wollte darauf mit einer Kauf- und Pachtpreisbremse für Ackerböden reagieren. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird vor der Landtagswahl im Oktober aber nicht mehr im Parlament beraten werden. Damit ist unklar, ob die Pachtpreisbremse überhaupt noch Realität wird. Zuletzt hatte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) ein vergleichbares Vorhaben ins Spiel gebracht. Zuvor hatte er mit dem Bund über die Übernahme der restlichen BVVG-Flächen in Landesbesitz verhandelt, war aber an Preisvorgaben des Bundes geschaltet. Eine halbe Milliarde Euro wollte MV seinerzeit für den Acker ausgeben.

Der Bauernverband bezifferte die Pachtausgaben der Landwirte zuletzt mit 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2016. Für den Verband sind die größten Preistreiber nicht Spekulanten, sondern die Verknappung des Bodens beispielsweise durch Bau- oder Ausgleichsmaßnahmen.  

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