Flächenkauf in MV : Ackerdeal setzt Züchter matt

Fürst zu Schaumburg-Lippe zieht Kaufoption für Saatgut Boldebuck / Dutzende kapitalkräftige Interessenten für größten Flächenkauf in MV

svz.de von
03. März 2014, 21:01 Uhr

Bieterstreit auf dem Landgut: Mit der Privatisierung der bisher größten zusammenhängenden Ackerfläche in MV steht die Existenz eines der anerkanntesten Saatzuchtbetriebe im Land auf dem Spiel. Auf Gut Boldebuck nahe Güstrow hat die bundeseigene Privatisierungsgesellschaft BVVG 615 Hektar Acker- und Grünland, Seen, Forsten und mehr als 40 Gebäude zum Verkauf nach Höchstgebot gestellt. Noch bis zum 25. März läuft die Bieterfrist – die bisher auf den Flächen wirtschaftende I. G. Saatzucht GmbH scheint schon vorab aus dem Rennen. Der nach eigenen Angaben Marktführer für Hafer- und Wintergerstensaatgut in Deutschland könne angesichts des zu erwartenden millionenschweren Kaufpreises kein „erfolgversprechendes Angebot“ abgeben, erklärte Saatzucht-Chef Berthold Bauer gestern.

Bauer sieht sich getäuscht: Er habe Anfang der 90er-Jahre den Saatzuchtbetrieb von der Treuhandanstalt mit der Auflage gekauft, am Standort dauerhaft Saatzucht zu betreiben. Die Flächen seien aber an den Alteigentümer, Fürst zu Schaumburg-Lippe, verpachtet worden – mit einer Kaufoption. Klar gegen alle Rechtsregeln, meinte Bauer. Schaumburg-Lippe habe bereits damals die Bedingungen für Pachtverträge mit Kaufoption nicht erfüllen können. Trotzdem habe die BVVG den Pachtvertrag „ohne Rechtsgrundlage“ noch einmal verlängert.

Bis jetzt: Nach mehr als 20-jähriger Pachtzeit löst Fürst zu Schaumburg-Lippe seine Kaufoption ein. Das Fürstenhaus war gestern zu keiner Stellungnahme zu erreichen. Mit dem Flächenverkauf entziehe die BVVG dem Betrieb „sehenden Auges“ die Existenzgrundlage, sagte Bauer: Millioneninvestitionen seien „in den Sand gesetzt“. Bauer hat indes Klage gegen die BVVG eingereicht.

Die BVVG weist die Kritik zurück: Fürst zu Schaumburg-Lippe habe den Acker bereits Anfang der 90er-Jahre kaufen wollen, erklärte BVVG-MV-Chef Johann Jakob Nagel. Da seinerzeit entsprechende Rechtsgrundlagen fehlten, habe der Bund eine Kaufoption gegeben. Mit dem Verkauf der Flächen sei gesichert, dass die Saatzucht erhalten bleibe. So müsse sich der künftige Eigentümer für zehn Jahre verpflichten, 180 Hektar für Vermehrung und Zuchtgarten zu nutzen. Vertragsverstöße seien mit Strafen belegt: 1000 Euro je Hektar und Jahr.

Das zieht für den Saatzuchtexperten Bauer nicht: Derzeit würden in Boldebuck 720 Hektar für die Vermehrung und Saatzucht genutzt. Mit den nun vorgegebenen 150 Hektar Vermehrungflächen und 30 Hektar Zuchtgarten ließe sich ohne entsprechende Fruchtfolge keine Pflanzenzucht betreiben: Ohne weitere Vertragsvorgaben seien die Auflagen „eine hohle Nuss“.

Trotz des Streits – das riesige Bodengeschäft zieht indes kapitalkräftige Investoren an: Die ersten waren gestern vor Ort, um sich einen Eindruck von den Ländereien zu verschaffen. Es gebe zahlreiche Nachfragen, sagte BVVG-Chef Nagel gestern. Inzwischen seien 53 Exposés verschickt worden. Die neuen Eigentümer müssen tief in die Tasche greifen: Nach Schätzungen kann der Bund mit Einnahmen zwischen 10 und 20 Millionen Euro rechnen.

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