Fast jeder zweite Speicher belastet : Ackerchemie belastet Grundwasser in MV

Die Zahl der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe geht weiter zurück.
Die Zahl der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe geht weiter zurück.

Backhaus droht Maisbauern mit Anbauverbot

svz.de von
14. Juni 2016, 20:55 Uhr

Die Gefahr kommt von unten: Fast jeder zweite Grundwasserspeicher in MV ist in einem schlechten Zustand und weist zu hohe Belastungen auf. Zu hohe Nitratwerte, Ammonium, Chlorid, Sulfat: Vor allem in West-, Nordwest- und Südmecklenburg, entlang der Ostseeküste, in Vorpommern und auf Rügen – 29 der 53 Grundwasserkörper seien zu stark belastet, kritisierte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin. 2009 waren es sieben. Zwar seien in den vergangenen Jahrzehnten die Phosphor-Einträge in die Gewässer von 1600 Tonnen jährlich auf 259 Tonnen reduziert worden. Auch die Stickstoffeinträge gingen zurück – von 13 510 auf 9191 Tonnen. Doch: Das Wasser in MV, „wir haben es mit einem kranken Patienten zu tun“, so Backhaus.

Trotz vor Jahren eingeleiteter Maßnahmen zur Reduzierung der Nährstoffeinträge weist fast jede fünfte der 260 Grundwassermessstellen im Land Nitratwerte auf, die teilweise um ein Vielfaches über dem zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm je Liter liegen – mit Gefahren für die Trinkwasserqualität. Aus dem Grundwasser werden in MV 85 Prozent des Trinkwassers gewonnen. Für den Menschen können hohe Nitratkonzentrationen schädlich sein.

Intensive Düngung, Gülle, Pflanzenschutzmittel: Die Landwirtschaft sei der Hauptverursacher der Wasserbelastungen, sagte Backhaus. Zwar dürfe man die Bauern nicht unter Generalverdacht stellen. In Nordwestmecklenburg aber auch auf den leichten Böden im Landkreis Ludwigslust-Parchim gebe es nach wie vor Tendenzen steigender Nährstoffeinträge. Grund dafür sei auch eine fehlende breite Fruchtfolge auf dem Feld. Stattdessen werde Jahr um Jahr Mais auf Mais angebaut, kritisierte der SPD-Politiker: Das müsse unterbrochen werden, zur Not per Gesetz.

Neue Düngestrategien, Mulchsaaten: Mit einem 2011 vorgestellten und nun präzisierten Maßnahmepaket sollen die Nährstoffeinträge weiter reduziert werden. Vor allem aber müsse der Bund mit der Auflage einer Düngeverordnung Obergrenzen beim Stickstoffeinsatz setzen, forderte Backhaus. Zudem sollen in einem vierjährigen Projekt an der Uni Rostock neue Strategien zur Nährstoffreduktion entwickelt werden.

Der Opposition reicht das nicht: In der Amtszeit Backhaus habe sich „das Grundproblem der Überlastung unserer Gewässer mit Nitrat kein Stück verbessert“, kritisierte Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr. Es fehle an Maßnahmen, mit denen die Nährstoffeinträge in die Gewässer deutlich reduziert werden könnten.

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