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Neue Pachtpraxis : Acker-Privatisierer führen Festzins ein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der BVVG will den Bodenmarkt beruhigen, doch die Bauern kritisieren die Neuregelung

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2017 | 06:30 Uhr

Neue Pachtpraxis auf ehemals volkseigenem Acker in MV: Nach Kritik der Bauern an der Pachtzinspolitik der bundeseigenen Bodenprivatisierer räumt die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) den Landwirten in MV ab sofort beim Abschluss von neuen Verträgen mehr Sicherheit ein. Künftig bleibe der Pachtzins bei vierjährigen Verträgen unverändert, kündigte BVVG-Landeschef Johann Jacob Nagel gegenüber unserer Redaktion an. Bei längerfristigen Pachten werde der Zins auch für vier Jahre festgelegt, steige dann aber für den Rest der Laufzeit um zwölf Prozent. Gleichzeitig werde den Landwirten nach dem vierten Jahr ein Kündigungsrecht eingeräumt. „Die Neuregelung soll den Bauern mehr Planungssicherheit geben“, sagte Nagel. Bei bisherigen Ackerpachten hatte die BVVG alle zwei bis drei Jahre in der Regel über eine Erhöhung des Pachtzinses verhandelt und sich damit regelmäßig Kritik der Landwirte eingehandelt. Gleichzeitig musste sie sich von den neuen Bundesländern den Vorwurf der Preistreiberei auf dem Ost-Bodenmarkt gefallen lassen. Im Schnitt verlangte die BVVG 2016 in MV für einen Hektar Ackerland 439 Euro an Pacht – etwa sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2007 stellten die Bodenprivatisierer im Schnitt für einen Hektar Pachtfläche nach eigenen Angaben 126 Euro in Rechnung. Nach Sachsen-Anhalt wurde in MV im vergangenen Jahr der zweithöchste Pachtzins für ehemals volkseigene Agrarflächen verlangt. In MV sind noch 49 000 Hektar Agrarflächen zu privatisieren.

Trotz der Kritik an der bisherigen Preispolitik der BVVG, von der neuen Pachtpraxis wollen die Bauern in MV auch nichts wissen. Das ist nicht im Interesse der Landwirte, lehnte der Landesbauernverband jetzt überraschend ab. Die bisherigen Pachtgespräche hätten Verhandlungsspielräume eingeräumt, die es künftig nicht mehr geben werde. Stattdessen sei mit steigenden Pachten zu rechnen.

Indes weitet die BVVG das Pachtgeschäft weiter aus: In diesem Jahr würden mehr Pachtverträge geschlossen, da durch die von den Ländern durchgedrückten neuen Privatisierungsgrundsätze künftig der jährliche Ackerverkauf z. B. in MV auf 3300 Hektar begrenzt und mehr Flächen zunächst verpachtet werden sollen.  

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