Achtung, gefährlich!

Wenig schmackhaft:  eine Sektflasche mit Badezusatz und künstliche Weintrauben Foto: dpa
Wenig schmackhaft: eine Sektflasche mit Badezusatz und künstliche Weintrauben Foto: dpa

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08. Mai 2012, 06:03 Uhr

Brüssel | Die bunt gemusterte Mädchen-Jacke schützt zwar vor Regen nicht aber vor Strangulation. Das Kinder-Mobiltelefon kann man zwar für Gespräche nutzen, aber nur einmal. Danach haben die kleinen Nutzer wegen der hohen Lautstärke einen irreparablen Hörschaden. Und die Lichterkette für den Garten leuchtet auch nur bis es regnet - sie verfügt über keinen Schutz gegen Nässe. Dass diese drei Produkte keinen Schaden anrichten konnten, verdanken die Verbraucher dem Schnellwarnsystem der Europäischen Union. Rund 6000 Prüferinnen und Prüfer sind in den 27 Mitgliedstaaten im Einsatz, um mangelhafte Ware bei Lieferungen zu entdecken und zu beschlagnahmen.

"Gefährliche Produkte werden früher und effektiver ausfindig gemacht und vom Markt genommen", sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli bei der Vorstellung des Rapex Jahresberichtes am Dienstag in Brüssel. Rapex steht für Rapid Exchange of Information System, das Schnellwarnsystem der EU.

Bekleidung und Textilien waren am häufigsten Gegenstand von Warnmeldungen, meist wegen Erstickungsgefahr oder Hautreizungen, weil die verwendeten Farben nicht den geltenden EU-Standards entsprachen. Auf dem unrühmlichen zweiten Platz landete Spielzeug, dessen Kleinteile leicht verschluckt werden könnten. Es folgen Kraftfahrzeuge, Elek trogeräte und Kosmetika.

Über die Hälfte der riskanten Waren stammen aus China, mit sinkendem Trend. Die immer "lückenlosere Überwachung " (Kommissar Dalli) zeige Erfolge. Inzwischen engagieren sich die Mitgliedstaaten konsequenter. Fast 100 Millionen Euro wurden seit der Rapex-Gründung 2004 für Produktkontrollen ausgegeben. Im Berichtsjahr 2011 meldeten Spanien, Bulgarien und Ungarn sich besonders häufig bei ihren Partnern, weil ihnen riskante Lieferungen aufgefallen waren. Deutschland folgt auf Platz vier - vor Großbritannien. Alle eingehenden Warnungen kann der Verbraucher einsehen.

Doch so positiv die Rapex-Bilanz für 2011 auch ausfällt, Grund zur Entwarnung gibt es nicht, so lange immer neue Warnungen nötig sind. Im Rahmen einer Studie untersuchten die Marktüberwachungsbehörden von 13 EU-Staaten - darunter Deutschland - vor einigen Monaten 14 000 Spielzeuge gezielt, 803 Produkte nahmen sie mit ins Labor. Das Ergebnis: Über 200 Produkte versagten bei der mechanischen Sicherheit, 17 wiesen einen zu hohen Schwermetallgehalt auf. Unterm Strich habe jedes vierte Spielzeug die Anforderungen nicht erfüllt, die die EU an diese Produkte für die Jüngsten stellt. Die Zahl steigt weiter, obwohl sich die Hersteller nach Erkenntnissen Brüssels inzwischen kooperativer verhalten und schneller auf Kritik der Marktbeobachter reagieren würden.

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