Ungeborenes Leben : Abtreibungen: Zahlen auf Rekordtief

So wenig Schwangerschaftsabbrüche wie noch nie in MV – trotzdem Kritik

von
08. November 2014, 08:00 Uhr

Immer weniger Schwangere in Mecklenburg-Vorpommern entscheiden sich für eine Abtreibung. Insgesamt 2831 Frauen haben im vergangenen Jahr im Land ihre Schwangerschaft abgebrochen, teilte das Schweriner Sozialministerium auf Anfrage unserer Redaktion mit. Damit ist die Zahl der Abtreibungen auf den tiefsten Stand seit 1996 gefallen. Bei 12560 Neugeborenen sind das 21,6 Abbrüche pro 100 Geburten.

1996 ließen landesweit 4127 Frauen abtreiben (37,2 Abbrüche auf 100 Geburten). Im Jahr 2000 entschieden sich noch 3818 Frauen für den Eingriff (28,6 Abbrüche auf 100 Geburten). 2011 sank mit 2991 Schwangerschaftsunterbrechungen die Zahl erstmals unter die 3000er Marke.

Im Schweriner Sozialministerium wird die Entwicklung begrüßt. Als Hauptgründe für die Tendenz nennt ein Ministeriumssprecher „die verbesserte wirtschaftliche Situation und die im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich entspanntere Lage auf dem Arbeitsmarkt“. Auch zahle sich aus, dass in gesundheitliche Aufklärung und gute Betreuung von werdenden Müttern und jungen Familien investiert werde.

Die Opposition ist anderer Ansicht. „Auffällig ist nach wie vor, dass sich am häufigsten Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren für einen Abbruch entscheiden“, stellte die familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jacqueline Bernhard, fest. Die Ursachen würden oft in der unsicheren Situation liegen, in der sich diese jungen Frauen befinden. Auch Silke Gajek, sozialpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, meinte: „Der Arbeitsmarkt für junge Frauen ist alles andere als entspannt.“ Ihre Partei setze sich für die ersatzlose Streichung des Paragrafen 218 ein.

Die finanzielle Situation, kein bestehender Kinderwunsch, berufliche Situation der Frau sowie Zukunftsangst würden laut Sozialministerium als häufigste Gründe für Abtreibungen bei den Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstellen genannt.

Bundesweit sank die Zahl der Abtreibungen um 1430 auf 52 413. Mit Ausnahme von Bayern, Thüringen und dem Saarland ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in allen Bundesländern rückläufig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen