Darß : Absturz kam überraschend

Der abgestürzte Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung  im Marinestützpunkt Hohe Düne in Rostock  Fotos: Jens Büttner
Der abgestürzte Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung im Marinestützpunkt Hohe Düne in Rostock Fotos: Jens Büttner

Hubschrauber stürzt vor dem Darß in die Ostsee: Flugunfalluntersuchung schließt technischen Defekt aus

svz.de von
29. Juli 2014, 20:26 Uhr

Der Absturz eines Rettungshubschraubers vor fünf Monaten über der Ostsee vor dem Darß ist offenbar auf menschliches Versagen zurückzuführen. In ihrem jetzt vorgelegten Zwischenbericht schließt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig (BFU) einen technischen Defekt für das Unglück mit drei Toten aus.

Der Bericht, für den das Wrack untersucht, Sprach- und Flugdatenrekorder ausgewertet wurden, schildert die letzten Sekunden vor dem Unglück, das beim Einkurven in Richtung des an der Übung beteiligten Seenotkreuzers geschah. Demzufolge hat der Hubschrauber in der Dunkelheit am Abend des 28. Februar unbemerkt von der Besatzung schnell an Höhe verloren und war dann ins Wasser gestürzt. „Bei der technischen Untersuchung ergaben sich keine Hinweise auf einen technischen Defekt“, zitierte BFU-Sprecher Germout Freitag gestern aus dem Bericht. Die Aufzeichnungen des Stimmenrekorders enthielten zudem „keine Gespräche über technische Probleme des Hubschraubers oder über mögliche aufgeleuchtete Warnlampen und keine Warntöne oder auffällige Hintergrundgeräusche“.Unmittelbar vor dem Aufprall auf der Wasseroberfläche rief der Rettungsassistent laut Bericht noch „Ey, Ey, Ey“. Um 18.37 Uhr berührte der Hubschrauber die Wasseroberfläche. 20 Sekunden nach diesen letzten Worten beendeten die Geräte die Aufzeichnung.

Der Rettungshubschrauber war Ende Februar bei einem Trainingsflug nördlich von Prerow in die Ostsee gestürzt. Neben dem 53-jährigen Piloten aus Bayern kamen ein 47-jähriger Notarzt aus Mecklenburg-Vorpommern und ein 45-jähriger Rettungsassistent aus Sachsen ums Leben. Während Pilot und Copilot sich noch aus dem Hubschrauber retten konnten, ertranken laut Bericht Notarzt und Rettungsassistent angeschnallt im Helikopter. Der Copilot konnte leicht verletzt von der Besatzung des Seenotkreuzers aus dem Wasser gerettet werden. Der Pilot trieb leblos im Wasser.

Der 47-jährige Copilot hat später gegenüber den Ermittlern der BFU angegeben, dass der Flug bis zum Unfall ohne besondere Vorkommnisse verlaufen sei. Alle Besatzungsmitglieder hatten die für den Einsatz notwendige Ausbildung und Zertifikate, hieß es. Experten gehen davon aus, dass die Crew in der Dunkelheit die Horizontlinie nicht gesehen habe und beim Kurven nicht ausreichend die Instrumente im Blick hatte. Zudem herrschte leichter Regen. Der Copilot berichtete später von dunstigem Wetter.

Die Staatsanwaltschaft Stralsund hatte nach dem Absturz ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. „Die Ermittlungen dauern solange an, bis das endgültige Ergebnis vorliegt“, sagte der Sprecher der Stralsunder Staatsanwaltschaft, Ralf Lechte. An den Aussagen des Zwischenberichtes wird sich laut BFU mit großer Wahrscheinlichkeit nichts ändern. „Wir werden keine neuen Erkenntnisse haben. Alle Daten sind ausgewertet.“ Der soll in rund zwei Monaten vorliegen.

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