zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 11:31 Uhr

Hamburg/Schwerin : Absturz im Hafenbecken

vom

Ein tragisches Flugzeugunglück im Hamburger Hafen, bei dem im August 2009 zwei Menschen starben, wird am Freitag verhandelt. Die Flensburger Fluggesellschaft trennte sich nach dem Unglück von dem angeklagten Piloten.

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2012 | 07:45 Uhr

Hamburg/ Schwerin | Ein tragisches Flugzeugunglück im Hamburger Hafen, bei dem im August 2009 zwei Menschen starben, wird heute vor dem Amtsgericht Hamburg-Mitte verhandelt. Die Flensburger Fluggesellschaft, die sich nach dem Unglück von dem angeklagten Piloten trennte, bietet mit ihren Wasserflugzeugen auch Rundflüge am Plauer See, in Fleesensee und in Schwerin an.

Zu dem Unglück kam es an einem sonnigen August-Sonnabend, als das Flugzeug zur Landung ansetzte. Die Touristen Cornelia und Gunter M. aus der Nähe von Bremen hatten einen Rundflug über Hamburg gebucht. Der Pilot, Nikolaj Graf von W., machte sich bereit. Gerade hatte er seine neue Cessna T 208H aufgetankt. Um 11.25 Uhr startete der Wasserflieger im Citysportboothafen, absolvierte seinen Rundflug über das Stadtgebiet. Nach einem kurzen Tank-Stopp auf dem Flughafen Fuhlsbüttel setzte der Pilot gegen 12.55 Uhr zur Landung auf der Elbe an. Zeugen wollen beobachtet haben: "Der Flieger hatte die Räder ausgeklappt. Bei der Landung auf dem Wasser hat sich der Flieger sofort überschlagen."

Das Wasserflugzeug triebt kopfüber im Baakenhafen, nahe der HafenCity. Das Cockpit war komplett unter Wasser. Der Pilot konnte sich befreien. Verzweifelt tauchte er, um auch seine beiden Fluggäste herauszuholen. 13.01 Uhr ging der Großalarm bei der Hamburger Feuerwehr ein. Rettungskräfte stürmten Minuten später zu der Maschine und versuchten, die unter Wasser eingeschlossenen und auf ihren Sitzen angeschnallten Passagiere in Sicherheit zu bringen. Versuche, die Maschine wieder aufzurichten, scheiterten. Tauchern gelang es schließlich, das Paar herauszuholen. Kaum hatten sie die Opfer im Schlauchboot, begannen die Retter, die beiden zu reanimieren. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Dort starb erst die Frau und wenig später ihr Mann. Der Pilot selbst erlitt einen Schock.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Räder noch vom Tankstopp in Fuhlsbüttel ausgefahren waren. Das hätte der Pilot bemerken müssen. Eine Warnlampe im Cockpit zeigt an, ob das Fahrwerk für Land oder Wasser aktiviert ist, so ein Luftfahrtexperte. In der Anklageschrift heißt es dazu: "Der Pilot Nikolaj Graf von. W vergaß das Fahrwerk einzufahren, obwohl er durch Warnlampen und das ausgefahrene Fahrwerk hätte bemerken können, dass es nicht eingefahren war."

Die Verteidigung des Angeklagten geht hingegen davon aus, dass der Pilot die Warnsignale nicht sehen konnte. Das Flugzeug hat bei der Landung noch eine Geschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometern. Wie bei einem Schnellboot ist es auch bei einem Wasserflugzeug wichtig, dass es gut gleiten kann. Das kann es nicht, wenn das Fahrwerk ins Wasser ragt. Der Experte: "Beim Aufsetzen auf dem Wasser entsteht ein Widerstand, der zu einer abrupten Abbremsung führt."

Die Fluggesellschaft hat nach dem Unglück ihre Flüge in Hamburg eingestellt. Ihr Flugbetriebsleiter gegenüber unserer Zeitung: "Wir fliegen aufgrund des Unfalls nicht mehr in Hamburg, aber auch aufgrund der baulichen Maßnahmen am City-Hafen." Das Unglück sei damals eine Katastrophe gewesen.

Eigentlich sollte sich der Pilot bereits im Oktober 2011 vor Gericht verantworten. Da Verwandte der Opfer, die als Nebenkläger am Prozess beteiligt sind, aber nicht ordnungsgemäß zu dem Termin geladen worden waren, wurde der Termin vor dem Amtsgericht auf Januar 2012 verschoben. Die Angehörigen des Bremer Ehepaares, das bei dem Unfall ums Leben kam, hätten erst aus der Presse erfahren, dass ein Verhandlungstermin anberaumt worden sei.

Heute soll unter anderem ein Sachverständiger für Flugunfalluntersuchung vor dem Hamburger Amtsgericht aussagen. Für den Prozess ist zunächst nur ein Verhandlungstag festgelegt, das Urteil wird also noch am Freitag erwartet.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen