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Stralsunder Möbelwerke wollen mit modernen Produkten punkten : Abschied vom alten Ost-Image

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Mit der Classic Line schafften die Stralsunder Möbelwerke den Sprung in die Marktwirtschaft. Sie war vor allem im Osten gefragt. Die neuen Eigentümer haben der Linie eine neue Optik verpasst und drängen in den Westen.

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erstellt am 18.Jun.2013 | 07:10 Uhr

Stralsund | Nach dem Neustart der bis Sommer 2012 von der Pleite bedrohten Stralsunder Möbelwerke drängt das Unternehmen mit neuen Produkten auf den Markt im Westen. Seit der Übernahme vor knapp zehn Monaten seien rund 100 neue Handelspartner in den alten Bundesländern gewonnen worden, sagte Geschäftsführer Guido Krüger. Das Unternehmen habe seitdem einen siebenstelligen Betrag in die Entwicklung neuer Wohnmöbel-Linien, die Umstellung des Maschinenparks und das Marketing investiert.

Die Stralsunder Möbelwerke, einst Produzent der in der DDR beliebten Wohnzimmerwände "Sybille" und "Poel", hatten als eines der wenigen Möbelwerke im Nordosten den Sprung in die Marktwirtschaft gemeistert. Die Käuferklientel der Stilwände blieb ostdeutsch. "Rund 85 Prozent der Ware wurde in den neuen Bundesländern verkauft", sagte Krüger. Für die Erschließung des Marktes in den alten Ländern fehlten entsprechende Programme und Vertriebsstrukturen.

Die Wirtschaftskrise und veränderte Kundenwünsche trieben das Unternehmen dann 2011 an den Rand der Pleite. Die Holzline GmbH, eine Gruppe sächsischer Investoren, hatte das Unternehmen im August 2012 gekauft und damit die Insolvenz abgewendet. Alle 54 Mitarbeiter wurden übernommen.

Neben der im Osten bislang gefragten gediegenen Wohnzimmerwand der Classic Line stehen jetzt auch moderne Systemmöbel mit sachlicher Formensprache im Programm. Sie machen nach Angaben der Geschäftsleitung bereits 30 Prozent des Umsatzes aus.

Das Unternehmen ist auf Dekorwohnmöbel spezialisiert - bestehend aus MDF- oder Spanplatten, die mit dünnen bedruckten Papieren beschichtet sind. "Früher waren diese Materialien negativ besetzt", sagt Möbeldesigner Heinrich Heitmann. Inzwischen seien die Dekore aber so hochwertig, dass sie in Optik und Haptik kaum noch von Holz zu unterscheiden seien. Der neueste Trend: Synchronporen, bei denen Oberflächenstruktur und Optik der Folien komplett harmonieren. Heitmann entwickelte für die Stralsunder Möbelwerke neue Produktlinien und orientierte sich dabei an internationalen Trends.

Dem Erfolgsrezept früherer Zeiten - der Fertigung flexibler Systemmöbel - ist das Unternehmen treu geblieben. Wohnungen und Häuser, die keine klassischen Grundrisse mit großen Stellwänden haben, könnten individuell eingerichtet werden.

Das Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge bei großen Möbelketten wie Höffner, Boss oder Sconto gelistet. Die schärfste Konkurrenz kommt aus Osteuropa, wo Systemware mit minderwertigeren Beschlägen und Materialien in größeren Stückzahlen produziert würde, wie Krüger sagt. In diesem Jahr strebt das Unternehmen einen Umsatz von 5,5 Millionen Euro an. "Wir fahren kein Minus." Nachhaltiger Gewinn soll von 2014 an erzielt werden, wenn die neuen Modelle im Markt etabliert sind.

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