Religion : Abschied nach dem Gebet

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Papst versetzt Hamburger Erzbischof Werner Thissen in den Ruhestand

svz.de von
21. März 2014, 20:30 Uhr

Das letzte „Amen“ verklingt, das Mittagsgebet im Hamburger Mariendom ist vorbei. Da wendet sich Erzbischof Werner Thissen noch einmal an die Gemeinde: „Liebe Schwestern und Brüder, als wir zu beten angefangen haben, war ich noch ihr Erzbischof. Jetzt bin ich es nicht mehr.“ Pünktlich um zwölf Uhr Mittags verkündete gestern der Vatikan, dass Papst Franziskus das Rücktrittsangebot des 75-jährigen Theologen angenommen hat. Seit November 2002 hatte Thissen das 400 000 Mitglieder zählende Erzbistum Hamburg geleitet, zu dem auch Mecklenburg gehört. In seine Amtszeit fielen das Zusammenwachsen von Ost und West, Sparmaßnahmen, Missbrauchsskandale. Der Ruhestand fühle sich etwas „komisch“ an, gesteht Thissen. Aber er freue sich auf mehr Zeit für Freunde und Familie, Kulturerlebnisse und Spaziergänge entlang der Elbe.

Im Erzbistum beginnt nun die Zeit der „Sedesvankanz“. Bis Sonntag wird der dienstälteste Weihbischof, der Schweriner Norbert Werbs, die Diözese leiten. Dann muss das siebenköpfige Domkapitel einen Diözesanadministrator bestimmen, der bis zur Wahl eines Nachfolgers das Bistum leitet. Das kann dauern: Passau wartet seit 2012 auf einen neuen Bischof. Das Verfahren ist kompliziert: Zunächst können die Bischöfe aller ehemals preußischen Bistümer Vorschläge beim Papst einreichen, dazu das Hamburger Domkapitel. Daraus stellt der Vatikan eine Dreierliste zusammen, aus der dann das Domkapitel einen Erzbischof wählt. Der Zeitpunkt der Ernennung und die Ernennung des siegreichen Kandidaten sind aber allein dem Papst vorbehalten.

Dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend ist das nicht transparent genug: Gestern forderte er einen „öffentlichen Wahlvorgang“ für den neuen Erzbischof. Dagegen dankte der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, Thissen für den „gemeinsamen, brüderlichen Weg“. Und Justizministerin Uta-Maria Kuder betonte, Thissen habe für MV immer ein offenes Ohr gehabt und konnte Menschen „mit seiner offenen Art begeistern“.

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