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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 09:29 Uhr

Schwerin : Absage an 2. Arbeitsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Niedrigste Arbeitslosenquote in MV. SPD und Linke streiten über öffentlich geförderte Beschäftigung

von
erstellt am 29.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Bauboom, wachsende Exporte, viele Urlauber: Der Arbeitsmarkt im Nordosten ist belebt wie nie zuvor. Erstmals sank die Zahl der Arbeitslosen unter 80 000. Genau gesagt waren im Oktober 78 100 Menschen im Land ohne Arbeit, 3900 weniger als vor einem Jahr – eine Quote von 9,4 Prozent. „Erfreulich ist“ , so die Nord-Chefin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, „dass die Betriebe ihr Personal halten. Die Zugänge in Arbeitslosigkeit aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind im Jahresvergleich weiter gesunken. Noch nie war in Mecklenburg-Vorpommern das Risiko arbeitslos zu werden so gering wie heute“.

Und doch kam es gestern zu einem politischen Schlagabtausch darüber, welche Schlussfolgerungen aus dieser neuesten Statistik zu ziehen sind. Vor der heutigen Tagung des Erwerbslosenparlaments im Landtag, erteilte der Staatssekretär im Sozialministerium Nikolaus Voss, Forderungen nach einem staatlich finanzierten 2. Arbeitsmarkt eine prononzierte Absage. „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt spricht eine deutliche Sprache: Firmen suchen Fachkräfte, sie halten ihr Personal. Mit staatlich finanzierten Beschäftigungsmaßnahmen ist keinem Arbeitslosen geholfen“, so Nikolaus Voss.

Genau das soll aber heute thematisiert werden. Die Beratungen stehen unter dem Motto „Zeit für neue Wege der sozialen Teilhabe“. Die Linke hatte erst kürzlich nach einer Expertenanhörung im Landtag die Forderung nach staatlich geförderten Beschäftigungsprojekten erneuert und schoss gestern gegen Voss: „Die kategorische Absage an die Förderung Beschäftigung schaffender Maßnahmen aus dem Arbeitsministerium ist nicht nachzuvollziehen“, sagte der Landtagsabgeordnete der Linksfraktion Henning Förster. Die im Oktober gemeldeten 11 682 offenen Stellen reichten nicht einmal, um die 18 846 Arbeitslosengeld-I-Empfänger am Arbeitsmarkt unterzubringen. Noch schwieriger stelle sich die Lage für die 59 240 arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger dar. Förster: „Öffentlich geförderte Beschäftigung ist deshalb nach wie vor nötig.“

MV hatte sich nach dem Ende der rot-roten Koalition 2006 aus der öffentlich geförderten Beschäftigung weitgehend verabschiedet. Damals waren vor allem Schulsozialarbeiter-Stellen gefördert worden. Henning Förster in Richtung Sozialministerium: „ Einen Tag vor dem Erwerbslosenparlament sind die Botschaften der Landesregierung an die Arbeitslosen einfach nur Hohn.“

Bundesweit ging die Quote bei 2,65 Millionen Menschen ohne Job auf sechs Prozent zurück. MV liegt weiterhin auf dem viertletzten Platz vor Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen. In Bayern gibt es nur 3,3 Prozent Arbeitslose.  

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