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Noch ein Schandfleck : Abriss der Schauburg erneut ein Thema

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Das Einzelhandelsunternehmen Peek & Cloppenburg hat sich von seinen Plänen verabschiedet, in Schwerin ein Kaufhaus zu bauen. Die Firma suche jetzt nach Investoren für das Areal rund um das Kino „Schauburg".

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2012 | 07:02 Uhr

Altstadt | Das Einzelhandelsunternehmen Peek & Cloppenburg hat sich endgültig von seinen Plänen verabschiedet, in Schwerin ein Kaufhaus zu bauen. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow teilte mit, dass die Firma jetzt nach Investoren für das Areal rund um das Kino "Schauburg" sucht. In Vorbereitung dazu laufen derzeit Gespräche mit der Denkmalpflege. Es geht um den Abriss des ersten, 1912 erbauten "Kinematographischen Theaters" in Mecklenburg. "Die Fassade soll erhalten bleiben", sagte die Oberbürgermeisterin. "Mit dem Saal kann aber heute keiner mehr etwas anfangen."

Dabei hatte Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff schon konkrete Visionen für das Areal der "Schauburg" formuliert, die er sich aus Berlin abgeguckt hat: einen Kultur-und-Wohn-Bereich nach Vorbild der Hackeschen Höfe.

Die "Schauburg" wurde bis 1995 als Kino betrieben. Seit mehr als zehn Jahren steht der Bau inzwischen ungenutzt. Im Jahr 2007 musste bereits das Vordach aus Sicherheitsgründen abgenommen werden. Auch die neben der "Schauburg" stehende alte Feuerwache könne abgerissen werden. Eine Genehmigung dafür wurde bereits vor Jahren erteilt. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hatte sich bisher immer gegen einen Abriss des Kinos ausgesprochen.

Peek & Cloppenburg hatte das Areal zwischen Goethe- und Mecklenburgstraße in den 90er-Jahren gekauft, um vis a vis des Schlosspark-Centers ein Textilkaufhaus zu errichten. Zuerst scheiterte damals der Zukauf des Eckhauses Goethe-, Schlossstraße, in dem sich eine Buchhandlung befand, als Eingangsbereich für das Kaufhaus. Als dann Galeria Kaufhof auf dem heutigen Gelände der Marienplatz-Galerie bauen wollte, zog sich Peek & Cloppenburg ganz zurück. Zwischenzeitlich haben sich Experten für den besonderen Schutz ausgesprochen: Das Lichtspielhaus gehört zu den ersten eigens für den Zweck von Filmvorführungen geschaffenen Bauten überhaupt. Auch die Umbaumaßnahmen Ende der 1950er-Jahre haben der "Schauburg" eine wichtige historische Schicht hinzugefügt. Und die praktisch nicht vorhandene Trennung von Rang und Parkett sowie die fehlende Empore im Zuschauerraum machen auch das Innere nahezu einzigartig. Für Filmemacher Wim Wenders ist es "ein mutiger Schritt", die "Schauburg" unter Denkmalschutz zu stellen. "Sofortmaßnahmen zur Erhaltung sind dringend geboten, um das für die ehemalige Residenzstadt einzigartige Zeugnis einer faszinierenden Kinokultur nicht weiter zu gefährden", so der Regisseur. "Ein Ort wie die ,Schauburg, der Geschichten von Menschen erzählt, die ihn gern und häufig aufgesucht haben, muss bewahrt und beschützt werden", schrieb Wenders an OB Gramkow. "Darum bitte ich Sie persönlich."


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