Hansa Rostock : Abrechnung nach dem Chaos-Spiel

Chaotische Szenen im Stadion: Hier löschen Bereitschaftspolizei und Ordner ein Feuer.
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Chaotische Szenen im Stadion: Hier löschen Bereitschaftspolizei und Ordner ein Feuer.

DFB ermittelt nach schweren Krawallen gegen Hansa und Dynamo – Politiker fordern harte Strafen und Stadionverbote

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01. Dezember 2014, 20:30 Uhr

Der DFB ermittelt, die Politiker warnen, einige echte Fans wenden sich ab: Nach den schweren Krawallen im Drittliga-Duell zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden stehen die Fußball-Traditionsklubs wegen ihrer Problemfans wieder einmal am Pranger. Gestern leitete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wie erwartet Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine ein. Da sowohl Hansa als auch Dynamo als Wiederholungstäter gelten, könnte eine mögliche Sanktion auch über eine Geldstrafe hinausgehen.

Eines aber steht schon jetzt fest: Das ohnehin ramponierte Image hat durch das erneute Fehlverhalten einiger Anhänger nochmals gelitten. Dresden stellte gestern Strafanzeige gegen unbekannt. Dynamo-Krawallmacher hatten während der Partie im Gästeblock Pyrotechnik gezündet und diese in Richtung der gegnerischen Fans und aufs Spielfeld abgefeuert. Rostock muss sich wegen des möglicherweise unzureichenden Ordnungsdienstes verantworten. Die Randale nach dem Abpfiff, als Hansa-Hooligans Mülltonnen in Brand gesetzt, Autoreifen von Gäste-Fahrzeugen zerstochen und eine Polizeidienststelle attackiert hatten, sind nicht Gegenstand der DFB-Ermittlungen. Die Ausschreitungen, bei denen 13 Polizisten verletzt wurden, haben die Hansa- und Dynamo-Verantwortlichen scharf verurteilt. Ihre Macht- und Hilflosigkeit wird aber immer deutlicher.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert zur Eindämmung von Gewalt am Rande von Fußballspielen ein hartes Durchgreifen der Justiz. „Jeder Angriff auf Polizisten muss konsequent geahndet werden. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen und der Strafrahmen häufiger als bisher auch ausgeschöpft werden“, sagte der GdP-Landeschef Christian Schumacher gestern. „Das sind keine Fans, die mit Steinen nach uns werfen. Das sind Chaoten und Straftäter, die auch als solche behandelt werden müssen.“ Appelle an Verstand und Vernunft hätten bislang kaum Wirkung gezeigt.

Politiker stimmten ihm zu. „Die Chaoten müssen mit aller Konsequenz zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Nieszery. Das gelte auch für die Regulierung des beträchtlichen finanziellen Schadens. Von der Vereinsführung forderte Nieszery Stadionverbote für Straftäter. „Bedauernde Stellungnahmen reichen nicht aus.“ Dem pflichteten auch die Abgeordneten Michael Silkeit (CDU) sowie Peter Ritter (Linke) bei, der zudem ein fehlendes Gesamtkonzept zur Eindämmung von Gewalt in und vor den Stadien aller Ligen beklagte. Silkeit sagte: „Durch die konsequente Trennung der Fan-Lager wird die Polizei immer häufiger als ,Ersatz-Gegner’ betrachtet und attackiert“. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte an, mit seinen Ministerkollegen besprechen zu wollen, „wie wir konsequent gegen die Rädelsführer der Ausschreitungen vorgehen können“. Caffier forderte Hansa eindringlich auf, das Problem mit seinen Hooligans besser in den Griff zu bekommen: „Gerade in Zeiten, in denen der Verein in solch großen finanziellen Schwierigkeiten steckt, kann er sich keinen weiteren Imageschaden leisten.“

Die Polizei – rund 1700 Beamte waren für das Risikospiel aufgeboten worden – hatte bei den Ausschreitungen 67 Personen als Tatverdächtige namentlich registriert und 30 Strafanzeigen aufgenommen. Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) verwies auf eine Serie von Prozessen, bei denen mehrere Fußball-Rowdys verurteilt worden waren. Die Staatsanwaltschaft Rostock habe für Ermittlungen im Zusammenhang mit Hansa-Spielen ein Sonderdezernat eingerichtet und werde auch im jüngsten Fall zügig ermitteln.
 

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