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Landesministerium befürchtet abschreckende Wirkung : Abiturpflicht für Krankenschwestern

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Wer Krankenschwester oder Hebamme werden will, soll künftig in allen EU-Ländern das Abitur machen. Das sieht ein Reformvorschlag zur Anerkennung von Berufsqualifikationen vor, den die EU-Kommission gestern vorstellte.

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erstellt am 19.Dez.2011 | 10:21 Uhr

Brüssel/Schwerin | Wer Krankenschwester oder Hebamme werden will, soll künftig in allen EU-Ländern das Abi tur machen. Das sieht ein Reformvorschlag zur Anerkennung von Berufsqualifikationen vor, den die EU-Kommission gestern in Brüssel vorstellte. Als Grund nennt die Kommission die gestiegenen beruflichen Anforderungen. Demnach sollen die Staaten die Zulassungsvoraussetzung für solche Pflegeberufe von zehn auf zwölf Jahre Schulausbildung anheben.

Nach EU-Angaben ist das schon heute in 24 Mitgliedsstaaten der Fall. In Deutschland müssten die Regelungen geändert werden. Das gilt auch für Luxemburg. Auch in Österreich waren bisher zehn Jahre Schulausbildung genug. Dort wird das System derzeit allerdings umgestellt.

Im Landessozialministerium sieht man dagegen keinen Bedarf für eine Änderung der Schulausbildung von Hebammen und Krankenschwestern. "Wir sind froh über jeden, der sich dafür entscheidet, eine Ausbildung in diesem Bereich aufzunehmen und in diesen Berufen zu arbeiten", sagt Ministeriumssprecher Christian Moeller angesichts des Fachkräftemangels und der drastisch gesunkenen Schulabgängerzahlen im Nordosten. Schließlich handele es sich jetzt schon um anspruchsvolle und langjährige Ausbildungen. Da sei es nicht entscheidend, ob man vorher zehn oder zwölf Jahre zur Schule gegangen sei, so Moeller. Mit der Forderung nach einer längeren Schulzeit schrecke man jedoch mögliche Interessenten ab.

Das befürchtet auch Romy Urban vom Landeshebammenverband. Auch wenn die Regelungen in Deutschland noch nicht geändert worden seien, liefen die Pflegeausbilder bereits Sturm gegen die EU-Pläne, weiß Urban. Denn schon jetzt gebe es zu wenig Nachwuchs im Pflegebereich.

Dem Vorschlag der EU-Kommission müssen noch das Europaparlament und der Ministerrat, in dem die 27 EU-Regierungen vertreten sind, zustimmen. Somit könnte die neue Richtlinie frühestens Ende 2012 beschlossen werden. Krankenschwestern und Hebammen müssten dann von 2015 an länger zur Schule gehen. Rückwirkend gelten die Vorschriften aber nicht: Wer bereits als Krankenschwester oder Hebamme arbeitet, muss das Abitur nicht nachholen. Altenpfleger sind von den Plänen nicht betroffen. Bislang wechseln deutsche Krankenschwestern hauptsächlich in EU-Länder mit ähnlichen Zulassungsvoraussetzungen. Die Reformen sollen für mehr Mobilität sorgen.

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