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Zurück zu 13 Jahren? : Abitur wird überarbeitet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weniger Hauptfächer und Rückkehr zu Leistungskursen stehen zur Debatte – die Zahl der Schuljahre nicht

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Eine „Rolle rückwärts“ schließt Bildungsministerin Birgit Hesse kategorisch aus. „Wir bleiben beim Abitur nach zwölf Jahren“, betont die SPD-Politikerin. Die Beibehaltung der bestehenden Strukturen im Bildungsbereich sei im Koalitionsvertrag explizit festgeschrieben – und das bedeute, sowohl am 12-Jahres-Abitur als auch an der schulartunabhängigen Orientierungsstufe festzuhalten.

Genau so will das die Ministerin auch am Sonnabend in Rostock auf dem Vertretertag des Philologenverbandes darlegen. Die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer hatte erst vor einer Woche gefordert, wieder zum 13-Jahres-Abitur zurückzukehren. Mit Hesse ist das nicht zu machen. Doch sie will durchaus über die Weiterentwicklung der gymnasialen Oberstufe diskutieren. Denn die sei schon allein angesichts der Vorgaben der Kultusministerkonferenz unerlässlich.

„Wir wollen das Abitur qualitativ-inhaltlich verbessern“, betont Hesse – und sie wolle die Belastungen für die Schülerinnen und Schüler, für Lehrkräfte und Schulleitungen verringern. Dazu gehöre, die Zahl der Hauptfächer zu reduzieren. Zurzeit sind in Mecklenburg-Vorpommern sechs Hauptfächer vorgeschrieben – Mathe, Deutsch, Geschichte und Politische Bildung und entweder eine Naturwissenschaft und zwei Sprachen oder eine Sprache und zwei Naturwissenschaften. Nur in Sachsen-Anhalt müssen bis zum Abitur ebenfalls sechs Hauptfächer belegt werden, in Baden-Württemberg sind es fünf, in Bayern dagegen nur drei. Künftig sollen es auch hierzulande weniger werden, voraussichtlich werde die Zahl der Hauptfächer auf vier reduziert, so Hesse. Das wären dann Deutsch, Mathematik, eine Naturwissenschaft und eine Fremdsprache. „Das Niveau des Abiturs wird dadurch nicht abgesenkt, weil das Anforderungsniveau in den verbleibenden Hauptfächern steigt“, betont die Ministerin. An der Gesamtstundenzahl für Gymnasiasten sei nämlich nicht zu rütteln: „Dann würde unser Abitur nicht mehr anerkannt“, warnt Hesse.

Wie genau die drei Prämissen – leistungsgerechtes Abitur, Hauptfächer stärken, Belastungen reduzieren – in der Praxis umgesetzt werden können, soll eine Arbeitsgruppe klären, in die Hesse „alle großen Player“ und also auch den Philologenverband einladen will. Als Diskussionsgrundlage hat das Bildungsministerium, basierend auf einer Onlineumfrage unter Gymnasiallehrern im letzten Schuljahr, mehrere Modelle entwickelt. Danach wäre auch denkbar, wieder zum Unterricht in Grund- und Leistungskursen zumindest in den Kernfächern zurückzukehren. Ziel ist, ab dem Schuljahr 2019/20 nach den neuen Vorgaben zu unterrichten.

Der Landeselternrat begrüßt die Position der Bildungsministerin, beim Abitur nach zwölf Jahren zu bleiben. „Wir haben ein Schulsystem, das offenkundig funktioniert – sonst hätten wir seit Jahren keine Abiturienten mehr“, betont Elternrats-Vorsitzende Anja Betty Ritter. Zwischen den Systemen hin- und herzuspringen sei nicht förderlich. Es sei aber richtig, die Schüler zu entlasten. Aus Sicht der Elternvertreter ist das zum Beispiel möglich, indem Lerninhalte aus der gymnasialen Oberstufe nach vorn verlagert werden.

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