Abitur nach 12 Jahren fällt durch

Foto: dpa
1 von 1
Foto: dpa

svz.de von
03. Januar 2013, 06:46 Uhr

Schwerin | Das Turbo-Abitur kassiert schlechte Noten. Künftig sollten Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern darum nach 12 oder 13 Jahren die Hochschulreife ablegen können - dafür machen sich die Grünen im Landtag stark. "Wir wollen kein Entweder-Oder sondern ein Sowohl-Als-auch", erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Ulrike Berger. MV vollzog den Schritt zurück vom 13- auf das 12-jährige Abi tur 2008, nachdem es Ende der 1990er-Jahre in die umgekehrte Richtung gegangen war.

Bundesweit halten sich seit Jahren Vorbehalte gegen die Verkürzung der Abiturzeit. Bei rund 80 Prozent von Eltern in den alten Bundesländern ist das 12-jährige Abitur gänzlich durchgefallen, wie der Schulforscher Klaus-Jürgen Tillmann, Professor für Schulpädagogik an der Universität Bielefeld, gestern erklärte. Er bezieht sich auf die Einschätzung von 3000 Müttern und Vätern in der 2. Bildungsstudie des Kindersachenproduzenten Jako-O. Demnach halten 79 Prozent der Befragten acht Schuljahre am Gymnasium für zu kurz. Wobei in den neuen Bundesländern immerhin 40 Prozent der Eltern dem Turbo-Abitur aufgeschlossen gegenstehen. Als Hauptargument dafür hatten Bildungspolitiker vor Jahren die dringend gebotene Verkürzung von Ausbildungszeit in Deutschland angeführt. Jetzt rudern erste Bundesländern zurück: Hessens Landtag etwa beschloss noch im alten Jahr, Gymnasien künftig die Wahl zwischen 12- und 13-jährigem Abitur zu überlassen.

Hierzulande regen die Grünen an, die derzeit zweijährige Qualifizierungsphase in Klasse 11 und 12 - die Zeit, in der die notwendigen Punkte zum Abitur gesammelt werden - um ein Jahr zu verlängern. "Dann können Schüler und Eltern selbst entscheiden", sagte Ulrike Berger. In größeren Gymnasien seien beide Wege parallel möglich, für kleinere müssten Varianten gefunden werden. Ihre Fraktion bereitet Anträge für den Landtag vor.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wünscht sich mehr Zeit fürs Abitur. "Die Stundenzahl ab Klasse 7 ist sehr hoch", sagt Christine Häcker, Leiterin der Landesfachgruppe Gym nasien. "Ein zusätzliches Jahr würde viel bringen."

Im Bildungsministerium sind keine Planspiele zum Thema im Gange, wie ein Sprecher mitteilte. Minister Mathias Brodkorb gibt zu bedenken, dass es vor allem für Schulträger teurer würde, wenn Schüler länger zur Schule gehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen