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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 13:05 Uhr

Abhängig im Alter

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 09:44 Uhr

Schwerin | Immer mehr alte Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben ein Suchtproblem. Von den rund 17 000 Bewohnern der Alten- und Pflegeheime weisen schätzungsweise mindestens 15 Prozent eine Alkohol- oder Medikamentenstörung auf, wie Andreas Rihl, Projektkoordinator bei der Landesstelle für Suchtfragen in Schwerin sagte. Das gehe aus einer Mitarbeiterbefragung in Pflegeeinrichtungen Rostocks und Greifswalds hervor. Aufgrund des demografischen Wandels und der Abwanderung Berufstätiger kümmerten sich im Nordosten immer weniger Angehörige um Eltern und Großeltern. Der Fachkräftemangel in den Pflegeeinrichtungen trage ebenso zu Vereinsamung und Isolation älterer Menschen bei, hieß es. Trost suchten viele im Alkohol.

Mit den Befragungen in den zwei Modellregionen seien in diesem Jahr erstmals belastbare Daten zur Sucht im Alter im Nordosten erhoben worden, so Rihl. Ältere Menschen würden sich nur selten an Suchtberatungsstellen wenden und deshalb mit ihrem Problem meist im Verborgenen bleiben. "Eine Abhängigkeitserkrankung bei Senioren zu erkennen, ist ausgesprochen schwierig", sagte der Suchtexperte. Abhängigkeitskranke jenseits der Erwerbstätigkeit bräuchten aber spezielle Hilfen, um zu einer besseren Lebensqualität zurückfinden zu können.

Alkoholmissbrauch ist im Nordosten nach Erkenntnissen der Suchtexperten bei Weitem nicht nur unter Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen verbreitet. Laut Statistiken leiden Menschen zwischen 30 und 60 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern etwa doppelt so häufig an alkoholbedingten Erkrankungen wie im Bundesdurchschnitt. Die Suchtkranken werden immer älter: "Wegen der Überalterung der Gesellschaft wandert die Suchtproblematik mit", sagte Rihl.

Derzeit sei gut jeder fünfte Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns über 65 Jahre alt. 2020 werde jeder vierte Rentner sein. Die Lebenserwartung dieser Altersgruppe liege bereits jetzt wegen des Alkoholmissbrauchs deutlich unter der vergleichbarer Bevölkerungsgruppen im Bundesgebiet, hieß es.

Laut Statistischem Bundesamt hat in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der über 60-Jährigen, die wegen alkoholbedingter Ausfälle mindestens acht Tage lang im Krankenhaus behandelt werden mussten, zwischen 2000 und 2010 um 13 Prozent auf rund 800 Senioren zugenommen. Vier von fünf dieser Patienten waren Männer, wie die Techniker Krankenkasse herausfand. Vielen Älteren ist laut Krankenkasse nicht bewusst, dass die Alkoholverträglichkeit im Alter abnimmt. Riskant sei oft die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten, warnte eine Sprecherin. Die Landesstelle für Suchtfragen plädiert deshalb dafür, die Hausärzte mit ins Boot zu holen. Aktuell werde ein Handbuch erarbeitet, das Handlungsrichtlinien für Mediziner und Pflegekräfte bei Alkohol- und Medikamentenmissbrauch im Alter enthalten soll, erklärte Rihl.

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