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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 12:25 Uhr

Abgasuntersuchung wird um zehn Euro teurer

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erstellt am 02.Jul.2013 | 08:15 Uhr

Straßburg/Schwerin | Rolle rückwärts im Europäischen Parlament: Gestern stimmten die Abgeordenten in Straßburg Plänen einer neuen Abgasuntersuchung zu. Die Kontrolle, bei der wieder die Abgase am Auspuffrohr gemessen werden, könnte deutsche Autofahrer über 200 Millionen Euro kosten, fürchtet der ADAC. Sprecher Christian Hieff spricht gegenüber unserer Zeitung von zehn Euro Mehrkosten pro Abgasuntersuchung. Dies betrifft vor allen Fahrzeuge ab 2006, bei denen bisher die computergestützte Auslesung über eine elektronischen Schnittstelle während des Fahrbetriebes genügte. Diese Messung kostet bisher 20 Euro. Das heißt, die Abgasuntersuchungen alle zwei Jahre verteuern sich um die Hälfte.

Der ADAC spricht von "Abzocke". Auch andere Experten bezeichnen eine Ausweitung der bisherigen Abgasuntersuchung als überflüssig.

Seit 2006 wurden bei Fahrzeugen ab der Schadstoffklasse Euro 4 lediglich die Motor-Daten ausgelesen. Das OBD-System (On-Board-Diagnose) überwacht permanent alle Informationen des Wagens - auch die Zusammensetzung der Emissionen. Doch das soll künftig nicht mehr reichen. "Die bisherige Praxis hat sich als unzuverlässig erwiesen", heißt es in dem gestern verabschiedeten Beschluss der europäischen Volksvertretung. Dem widerspricht Christian Hieff vom ADAC deutlich: Die moderne Messpraxis sei zuverlässig. Tritt ein Fehler auf, leuchtet die Motorwarnleuchte. Laut einer aktuellen ADAC-Umfrage unter 3000 Mitgliedern fahren 81 Prozent der Befragten nach Aufleuchten der Warnlampe in die Werkstatt und lassen Probleme, die sich negativ auf das Emmissions-Verhalten auswirken könnten, beheben.

Richtig teuer wird die Umstellung aber vor allem durch die Ausweitung der Messung auch auf Stickoxid . Nach Angaben des ADAC sind zuverlässige Daten zu diesen Stoffen nur dann zu gewinnen, wenn der Motor unter Volllast läuft. Dafür müsste jede Test-Werkstatt und der Tüv einen sechsstelligen Betrag für Last-Rollenprüfstand und Abgas-Analyse-Einheit investieren. Allein in Deutschland kämen so Ausgaben von rund 207 Millionen Euro zusammen, die auf die Gebühren aufgeschlagen werden dürften. "Völliger Unsinn", hieß es gestern von den Gegnern des Antrages in Straßburg.

Dafür ist allerdings eine weitere Verschärfung der Tüv-Untersuchungen vom Tisch. Vor Monaten hatte die Kommission großes Aufsehen erregt, weil sie Autos mit mehr als 160 000 Kilometern oder ab dem siebten Betriebsjahr jährlich zum Tüv schicken wollte. "Es gibt keine Belege, dass die jährliche Prüfung einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten könnte", so der SPD-Europa-Abgeordnete Ismail Ertug. "Es würden lediglich Mehrkosten von 630 Millionen Euro pro Jahr auf die deutschen Autofahrer zukommen." Das sah auch die Mehrheit des Parlamentes so.

 

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