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Ab ins Körbchen und mit Heißluft nach oben

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erstellt am 03.Aug.2012 | 11:10 Uhr

Heinrichsfelde | Frank Fano ist Flugzeugmechaniker, Berufspilot, Ballonfahrer und: Hobbyimker. "Wenn der Raps blüht, dann geht die Saison los", sagt der Geschäftsführer des Kyritzer Unternehmens Sun Ballooning. Das passt biologisch, natürlich und optisch - nicht nur aus dem Blickwinkel des Imkers.

Viele werden den gelben Heißluftballon mit der blauen Aufschrift schon am Prignitzer Himmel gesehen haben. Die wenigsten indes werden wissen, wie es sich anfühlt, im Korb über die Landschaft zu gleiten, wann man von der Prignitz aus bis zur Ostsee schauen kann und wie ein Ballonpilot seinen Lebensunterhalt verdient. Aber, der Reihe nach.

Frank Fano ist nicht unbedingt der Mann, der festen Boden unter den Füßen braucht. Den Beruf des Flugzeugmechanikers und Agrarfliegers lernte er von der Pike auf in Heinrichsfelde bei Kyritz. Bis zur Wende war er schätzungsweise 10 000 Stunden im Auftrag der Landwirtschaft in der Luft unterwegs. Die Umstrukturierungen nach der Wende machten die Agrarflieger weitgehend brotlos - Fano schulte zum Fluglehrer um, arbeitete in diesem Job bis zu seinem Einstieg ins Ballonfahren 1998. Über einen Bekannten, dessen Passion das Ballonfahren war, schnupperte er in die Welt des lautlosen Schwebens hinein. Ein schönes Hobby, dachte sich der gebürtige Kyritzer, und machte es zum Beruf. Schließlich, so Frank Fano, sei er ja schon so ziemlich alles geflogen, warum also nicht auch Heißluftballon?

Die erste Ballonhülle sponserte 1998 ein Berliner Rundfunksender. Bei den Fallschirmspringern in Fehrbellin lernte Frank Fano in dieser Zeit seinen Geschäftspartner Carsten Krüger kennen. 2000 gründeten sie die Sun-Ballooning GmbH - heute in Berlin/Brandenburg der größte Anbieter für Ballonfahrten. "Wir sind mit drei Körben in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs", umreißt Fano einen Teil des Geschäfts. Neben den Publikumsfahrten stellen Werbeeinsätze ein wichtiges Standbein dar. "Seit sechs Jahren sind wir für die DKB-Bank unter anderem regelmäßig bei großen Biathlon- und anderen Wintersportevents dabei, zum Beispiel auch dieses Jahr bei der Biathlon-WM in Ruhpolding. Das war schon ein tolles Erlebnis", berichtet der 52-Jährige. Drei Piloten, zwei festangestellte Mitarbeiterinnen im Büro sowie ein fester Rückholer, der dem Ballon auf dem Boden bis zu dessen Landung folgt, gehören inzwischen zum Team in der Hauptsaison, darüber hinaus Hilfskräfte auf Minijob-Basis.

An die 5000 bis 6000 Passagiere, schätzt Frank Fano, habe er inzwischen wohl schon im Ballonkorb befördert. Es gibt junge und alte, ängstliche und mutige, ganz besonders freundliche Mitfahrer und auch "Wiederholungstäter". "Ein Rentner aus Oranienburg war schon zwölfmal oben, zu jeder Jahres- und zu jeder Tageszeit", erzählt der Ballonpilot. Gern erinnert er sich auch an einen Eisenbahner aus Wittenberge, der ließ Fano als Gegenleistung zur Ballontour in der Lok im Führerstand bis nach Cottbus mitfahren. Und ein Fahrgast war so angetan, dass er nach der Landung am Sonntagabend Montag früh gleich wieder in den Ballonkorb einstieg. Der bisher älteste Passagier bei Sun Ballooning zählte immerhin bereits stolze 94 Lenze.

In den Blickpunkt vieler Menschen rückt das Ballonfahren seit dem Jahr 2000, seither ist es nämlich erlaubt, auch außerhalb von Flugplätzen wohnortnah zu starten und so die eigene Umgebung aus 150 bis 800 Metern Höhe in Augenschein zu nehmen - in turbulenzfreier, scheinbar schwereloser Fahrt mit dem Wind. Die Ruhe wird nur vom regelmäßigen Betätigen des Brenners unterbrochen. Das Feuer, erzeugt aus flüssigem Propangas, hält die Luft im Ballon auf Temperatur.

Bis Ende Oktober dauert die Saison in der Regel. Von der Rapsblüte bis zum "Indian Summer", der auch in der Prignitz von oben beeindruckend bunt daherkommt, sind die Ballone bei gutem Wetter nahezu im Dauereinsatz. Ballonfahren, so Frank Fano, habe aber auch im Winter seine Reize und Vorzüge: Weil die Hüllentemperatur nicht so hoch ist, könne man länger in der Luft bleiben, höher steigen. "Bei klarem, kaltem Wetter ist aus 2000 Metern Höhe von der Prignitz aus sogar die Ostseeküste zu sehen", weiß Fano. Aber auch hier, direkt um uns herum, gebe es im Sommerhalbjahr viel Attraktives aus der Vogelperspektive zu entdecken - die Natur in der Elbtalaue, das Stadtzentrum von Perleberg oder auch die Wittstocker Stadtmauer nennt der Ballonpilot einige seiner ganz persönlichen Favoriten.

Ohne seine Fahrgäste sei er übrigens nichts, betont Frank Fano. Ballonfahren, das sei Teamwork in Reinform. Bereits beim Aufstellen den Ballons werden alle Hände der Mitfahrer benötigt. Die riesige Hülle wird gemeinsam entfaltet, die Passagiere halten im wahrsten Sinne des Wortes die Fäden in der Hand, wenn das Ballonteam die Hülle nach und nach mit heißer Luft füllt.

Und auch nach der Landung müssen alle mitarbeiten, um den Ballon wieder auf Transportgröße zu schrumpfen und letztendlich alles auf den Anhänger des Begleitfahrzeuges zu befördern. Erst danach gibt es die Ballonfahrertaufe - nach überlieferter Tradition. Im Kopf tolle Luftbilder, im Bauch Emotionen, in der Hand eine Urkunde mit einem witzigen Fantasienamen - so treten die Passagiere den Heimweg an.

Für den Piloten Traumberuf und Abenteuer zugleich? "Ja", sagt Frank Fano, ohne zu zögern.

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